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08/05/2017

Kar Bonn: Streik trotz Drohung

  • Warnstreik bei Kar, Bonn / 9 Fotos: Stephen Petrat

Warnstreik im Bonner Autohaus Kar: Die Belegschaft fordert einen Haustarifvertrag. Die Geschäftsführung lehnt Tarifverhandlungen ab.

8. Mai - Die Mercedes-Benz-Filiale an der Drachenburgstraße in Bonn-Bad-Godesberg-Lannesdorf bietet heute Morgen eine Stunde lang ein ungewöhnliches Bild: Schon von weitem ist das Blaulicht der Polizei erkennbar, am Straßenrand stehen zwei rote IG Metall-Stände, mehrere Dutzend Beschäftigte im Blaumann stehen davor, alle tragen weiße T-Shirts, auf denen vorne steht „WIR Mitarbeiter bei KaR wollen auch TARIF“ – und hinten „WIR sind zu Verhandlungen bereit!!!“

Und das ist ihre Geschichte: 2006 gliedert die RKG-Gruppe (Rheinische Kraftwagengesellschaft) Kar aus. Ein Jahr lang bleibt alles beim Alten; so, wie es das Bürgerliche Gesetzbuch verlangt. Dann werden Urlaubs- und Weihnachtsgeld nur noch „ab und zu“ gezahlt, berichtet die Gewerkschaftssekretärin Petra Brosowski (Foto 3) von der IG Metall Bonn-Rhein-Sieg. Die Wochenarbeitszeit wird auf 42 bis 44 Stunden verlängert, der Urlaub auf 28 Tage verkürzt, der Samstag zum Arbeitstag erklärt. Borowski weiter: „Seit über fünf Jahren haben die Kollegen keine Lohnerhöhung mehr bekommen.“

Dabei ist Kar-Geschäftsführer Stefan Salbeck auch Geschäftsführer der RKG-Gruppe, die seit 1995 einen Haustarifvertrag mit der IG Metall hat. Dieser Vertrag sieht eine Wochenarbeitszeit von 35 bis 36,5 Stunden vor. Und regelmäßige Entgelterhöhungen.

Ende 2016 haben die 40 Beschäftigten von Kar „die Nase voll“ (Petra Borowski). Sie wählten erst einen Betriebsrat. Dann eine betriebliche Tarifkommission. Ihr Forderung: einen Haustarifvertrag wie die RKG! Die erste Tarifverhandlung findet Mitte Januar statt. Die Geschäftsleitung nimmt sich zwei Monate Zeit, die Tairfforderung zu prüfen. Mitte März antwortet sie: Ja, eine Bezahlung wie bei der RKG gehe in Ordnung, aber die Wochenarbeitszeit müsse 41,5 Stunden lang sein, es könne keine Mehrarbeitszuschläge geben, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld werde erfolgsabhängig gezahlt.

Die IG Metall-Tarifkommission berät. Ihr Gegenangebot: Maximal 40 Wochenstunden, Urlaubs- und Weihnachtsgeld dürfen etwas geringer ausfallen als bei der RKG. Ende April teilt die Assistentin der Kar-Geschäftsführung der I Metall per E-Mail mit, man betrachte die Tarifverhandlungen „hiermit als gescheitert“.

Tage später rudert die Geschäftsführung zurück, will doch verhandeln – aber nicht mit der IG Metall. Darauf lässt sich die Kar-Belegschaft jedoch nicht ein. „Tarifverträge kann nur die Gewerkschaft abschließen“, weiß der Betriebsratsvorsitzende Andreas Göbbels.

Außerdem war das Verhalten von Geschäftsführer Sahlbeck nicht vertrauensbildend. Auf einer Mitarbeiterversammlung drohte er, die RKG könne Aufträge abziehen – und er könne dann betriebsbedingte Kündigungen aussprechen.

IG Metall-Bezirkssekretärin Carmen Schwarz, zuständig fürs Kfz-Handwerk, lobt die Kar-Belegschaft: „Ich bin stolz auf Euch! Ihr fordert, was Euch zusteht – und das ist Euer gutes Recht.“ An die Geschäftsführung appelliert sie, den Wettbewerb mit anderen Autohäusern „nicht über die Löhne“ auszutragen, sondern über Leistung und Qualität.

Michael Korsmeier, der Geschäftsführer der IG Metall Bonn-Rhein-Sieg, ruft den Streikenden zu: „Die Demokratie endet nicht am Werkstor. Geht weiterhin aufrecht in den Betrieb – und aufrecht wieder raus!“