Stahl Tarife Aktuelles
07/03/2017

Pfeifkonzert vor Tor 1 in Duisburg-Nord

  • Warnstreiks in Duisburg und Dillenburg / Fotos 1-12: Thomas Range, Foto 13: Harald Serth

Die IG Metall will bis 16. März mit den Belegschaften "auf der Straße diskutieren, was sie vom 1,3-Prozent-Angebot der Arbeitgeber halten".

Das kündigte IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Knut Giesler (Foto 6) heute auf der ersten Warnstreikkundgebung vor 3000 Beschäftigten in Duisburg an;  am 16. März findet die dritte Tarifverhandlung statt.

Auf der Kaiser-Wilhelm-Straße vor Tor 1 von Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) in Duisbxurg standen auch Mitarbeiter von Arcelor Mittal und der KBR Kokereibetriebsgesellschaft Schwelgern. Sie legten heute für zwei Stunden die Arbeit nieder. Im hessischen Dillenburg, bei Outokumpu Nirosta, traten 350 Arbeitnehmer kurzzeitig in den Ausstand (Foto 13).

Der Leiter der IG Metall-Vertrauensleute bei TKSE, Klaus Wittig (Foto 7), rief ins Mikrofon: "Hochofen 9 ist draußen, das Oxygenstahlwerk 2, die SGA Beeckerwerth, beide Warmbandwerke und beide KWs sind drau draußen, die Bandbeschichtungsanlage und die Feuerbeschichtungsanlage!" An die Adresse der Stahlarbeitgeber und mit Blick auf die Warnstreiks bis zur dritten Tarifverhandlung sagte Wittig: "Wir zeigen ihnen die Zähne!"

Sollte es auch am 16. März kein Angebot geben, das diese Bezeichnung verdiene, "dann können wir die Sache hier ein bisschen ausbauen". Knut Giesler hatte kurz zuvor gesagt: "Es gibt entweder ein vernünftiges Angebot, oder wir schalten einen Gang höher."

Das Tarifangebot von 1,3 Prozent mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung quittierten die Beschäftigten mit einem Pfeifkonzert. Das sei keine Wertschätzung der geleisteten Arbeit, kritisierte Knut Giesler. Es wurde ganz still vor der Rednerbühne, als er berichtete, dass ihm bei der Tarifverhandlung gestern "kurz die Stimme weggeblieben" sei. Er habe dann den Verhandlungsführer der Arbeitgeber, TKSE-Chef Andreas Goss, gefragt: "Habe ich Sie richtig verstanden, Sie bieten eine Tariferhöhung um 1,3 Prozent für 15 Monate an?" Antwort: "Ja." "Und ist Ihnen bewusst, dass das Reallohnverlust bedeutet?" Antwort: "Ja, aber es hat ja in den letzten Jahren Reallohngewinne gegeben!" 

Die Arbeitgeber rechtfertigen ihr geringes Angebot auch mit den politischen Risiken, die der Emissionsrechtehandel und der Stahlimport zu Dumpingpreisen berge. Der IG Metall-Bezirksleiter wies auf eine andere Wahrheit hin: "Die IG Metall und die Beschäftigten hätten im vergangenen Jahr alles Erdenkliche getan, um Schaden von der Stahlindustrie abzuwenden, in Berlin und in Brüssel. "Wir haben die Politik bewegt." So muss die Stahlindustrie beispielsweise keine Öko-Umlage auf selbst erzeugten Strom entrichten, das sogenannte Eigenstromprivileg im Erneuerbare-Energien-Gesetz bleibt erhalten.

Pressemitteilung