Politik
26/03/2011

DGB-Chef fordert "raus aus der Atomkraft"

Die Schockwellen der Atom-Katastrophe in Fukushima haben Deutschland erreicht: Allein in Köln forderten 40.000 Menschen heute, alle Atomkraftwerke abzuschalten. Ihr Zorn auf Atomindustrie und Bundesregierung hatte sie auf die Straße getrieben. Der DGB-Vorsitzende von NRW, Andreas Meyer-Lauber, sagte: "Wir müssen raus aus der Atomkraft, und das möglichst schnell!"

Die entsetzlichen Ereignisse in Japan zeigten erneut, "dass Atomenergie niemals sicher sein kann", sagte Meyer-Lauber. Schon die Unglücke in Harrisburg 1979 und in Tschernobyl 1986 hätten klar gemacht, was mit dem sogenannten Restrisiko der Atomtechnik gemeint sei: "Atomkraft duldet keine Fehler!"

Wie viele Unglücke noch?

Der DGB-Vorsitzende griff die Energiekonzerne frontal an. "Die Profitgier einiger weniger Konzerne, ihre aus Atomstromgewinnen und Steuersubventionen bezahlten Parteispenden, ihre Hochglanzbroschüren und ihre Lobbyisten haben dafür gesorgt, dass wir heute noch immer 17 Atommeiler in Deutschland haben", sagte Meyer-Lauber. "Ich frage mich: Wie viele Reaktorunglücke müssen wir noch erleben, bis endlich daraus gelernt wird?"

Immer wieder skandierten Protestierer "abschalten - abschalten". Es war das Wort des Tages. Wütend herausgeschrieen. Doch als die Vorsitzende des Kölner Katholiken-Ausschusses um 14:12 Uhr um eine Schweigeminute bat im Gedenken an die Opfer von Fukushima, da wurde es still. Nur das Klicken der Fotokameras war noch zu hören.

"In Gottes Augen eine Sünde"

Ein Sprecher der Ärzte-Vereinigung gegen Atomkrieg sagte, Atomkraftwerke seien "in Zement gegossene Atombomben". Er appellierte an die Demonstranten, ihren Stromanbieter zu wechseln, wenn der keinen Ökostrom liefere. Eine Vertreterin von Attac meinte, die Zeit sei reif, "die Nutzung der Atomenergie Geschichte werden zu lassen". Pfarrer Jens Sannig erklärte, die Risiken der Atomkraft in Kauf zu nehmen, sei "in Gottes Augen eine Sünde".

Größte Anti-Atom-Demo aller Zeiten

Zu den Großdemonstrationen heute in Köln,  Berlin, Hambung und München hatten zahlreiche Organisationen wie Attac, BUND und Robin Wood aufgerufen, auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Der Aufruf erfolgte erst vor neun Tagen. Bundesweit demonstrierten 250.000 Menschen für die Abschaltung der Atomreaktoren - so viele wie noch nie. Heute ist die Anti-AKW-Bewegung wiederauferstanden.

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