09/06/2015

Siemens: Kompetenz stärken statt Jobs verlagern

Unter dem Motto „Wir kämpfen wie die Löwen“ haben heute (9. Juni) in Duisburg rund 3100 Siemens-Beschäftigte aus Nordrhein-Westfalen gegen die von Siemens Anfang Mai bekannt gegebenen Stellenabbaupläne demonstriert.

Diese Pläne betreffen in NRW vor allem den Bereich Power & Gas (PG) in Mülheim an derRuhr mit über 950 Stellen, den PG-Servicestandort und die Elektronikwerkstatt EDM in Essen mit 60 und 50 Stellen. Auch die Duisburger Beschäftigten empfinden die Ankündigung von Siemens-Chef Joe Kaeser, das Kompressorgeschäft nach der Übernahme des Energietechnikspezialisten Dresser-Rand unter dessen Führung zu sanieren, als Bedrohung. Vor diesem Hintergrund machten die Beschäftigten auf der Kundgebung deutlich, dass sie vom Management statt Stellenabbau endlich ein nachhaltig tragfähiges Innovationskonzept erwarten. 

Dazu der Bezirksleiter der IG Metall NRW, Knut Giesler: „Margen-Fixierung, ständige Umstrukturierungen und Sparprogramme haben bei Siemens zu einer Vernachlässigung innovativer Potenziale geführt. Innovationsfähigkeit ist jedoch - neben der Sicherung der Wertschöpfungstiefe – von existenzieller Bedeutung für die Zukunft der Standorte in Deutschland.“

Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und Aufsichtsrat bei Siemens, sagte: “Siemens hat im Energiebereich Innovationen und neue Produkte sträflich vernachlässigt. Das müssen wir jetzt aufholen und gleichzeitig näher an die Kunden rücken. Siemens muss im Energiebereich neue Konzepte und Produkte entwickeln. Das geht nur mit den Beschäftigten, ihrem Wissen und ihrer Erfahrung. Wer stattdessen die Belegschaft mit angekündigten Produktionsverlagerungen verunsichert und verängstigt, der hemmt Kreativität und Innovation, der rennt blindlings in eine Sackgasse. Wir sagen klipp und klar: Keine Streichungen, keine Produktionsverlagerungen!“

Für IG Metall-Bezirksleiter Giesler ist es völlig unverständlich, dass jetzt die Menschen vor die Tür gesetzt werden sollen, die mit ihrem Know-how dafür gesorgt haben, dass Siemens in der Energiesparte gerade den größten Auftrag der Firmengeschichte vermelden konnte. „Wer so handelt, verschenkt die Zukunft. Die Menschen mit ihren Spitzenkompetenzen müssen im Unternehmen bleiben, ob in Mülheim, in Essen, Duisburg oder anderswo“, sagte Giesler in Duisburg.

Zur Begründung des Siemens-Managements, die Arbeitsplätze in Deutschland seien an den Absatz der Produkte in Deutschland gebunden, sagte Giesler: „Siemens war immer ein Exportunternehmen, bei dem marktführende Produkte in Deutschland erfunden, entwickelt und hergestellt wurden. Die hohe Qualität wurde und wird von den Kunden weltweit geschätzt. Wenn das Management nun sagt, die Arbeitsplätze in Deutschland sind an den Absatz der Produkte in Deutschland gebunden, dann wird dieser erfolgreiche Weg verlassen. Denn setzt man den Anteil der Beschäftigten in Deutschland an der Gesamtbeschäftigtenzahl in der Welt ins Verhältnis zum Umsatz, kommt natürlich heraus, dass der Großteil der Beschäftigten in Deutschland arbeitet, der Umsatz aber weltweit erwirtschaftet wird und nur zu einem Teil in Deutschland. Das ist aber ganz normal bei einer Exportnation und macht deutlich: Ein Konzern lässt sich nicht nur über Finanzkennzahlen steuern.“

Giesler und Kerner machten deutlich, dass die IG Metall gemeinsam mit den Betriebsräten und Beschäftigten das Thema Innovationen vor Ort noch stärker vorantreiben und mit Entwicklungsperspektiven für die Standorte verbinden wollen.

 

Mike Schürg

IG Metall-Bezirksleitung NRW

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