Aktuelles Industrielle Arbeit 2020
05/06/2019

Betriebe müssen mehr qualifizieren

Junge Frau mit Virtual-Reality-Brille / Foto: vgajic/iStock

Nur 17 Prozent der Industriebetriebe in NRW besitzen eine Strategie zur Bewältigung der Transformation. Das ergab eine IG Metall-Umfrage.

Die Industriebetriebe in Nordrhein-Westfalen bereiten sich und ihre Beschäftigten nur unzureichend auf die Herausforderungen von Digitalisierung, Energie- und Mobilitätswende vor. Das ergab eine Umfrage der IG Metall NRW unter Betriebsräten aus der Metall- und Elektroindustrie, dem Stahl sowie der Textil- und Holzwirtschaft. „Die Unternehmen müssen hier dringend handeln, um den Anschluss an die technologische Entwicklung nicht zu verlieren“, sagte IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler heute in Düsseldorf.

Der Umfrage zufolge steigen in 95 Prozent der abgefragten Betriebe die Anforderungen an die Qualifizierung der Beschäftigten deutlich. Aber nur in 14 Prozent wird der Qualifizierungsbedarf systematisch ermittelt, in weiteren 31 Prozent teilweise. „Das ist eine große Lücke, die dringend geschlossen werden muss“, sagte Giesler. Er bemängelte, dass die Unternehmen nicht genügend in die Weiterbildung und die Personalplanung investieren. „Das wird angesichts der Wucht der Veränderungen in der Arbeitswelt dringend erforderlich.“

Die Umfrage unter Betriebsräten in NRW ist Teil einer bundesweiten Umfrage der IG Metall. Die Gewerkschaft fragte in der gesamten Republik ab, wie Betriebsräte die derzeitigen Veränderungen der Arbeitswelt einschätzen. In NRW nahmen 494 Betriebe an der Umfrage teil. In diesen Betrieben arbeiten insgesamt 282 127 Beschäftigte. 

„Das Ergebnis gibt Hinweise, wie groß die anstehenden Veränderungen sein werden“, sagte Giesler. So rechnen 38 Prozent der Betriebsräte in NRW mit einem Beschäftigungsabbau im Rahmen der Transformation. In 25 Prozent der Betriebe wird ein Beschäftigungsaufbau erwartet. Dabei finden sich die wachsenden Beschäftigungsgruppen im Bereich Forschung und Entwicklung, IT und Softwareentwicklung. In der Fertigung und Montage, der Administration, Logistik und Kundenbetreuung wird eher mit wegfallenden Arbeitsplätzen gerechnet. 

Angesichts dieser Herausforderungen, die vergleichbar mit denen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 seien, forderte Giesler eine „Offensive für den Erhalt der Arbeitsplätze, für gesteigerte Wirtschaftskraft und Lebensqualität in NRW“ durch Unternehmen und Politik. 

Die Unternehmen müssten die Veränderungen offensiv angehen. Neben Qualifizierung und Personalplanung gehörten dazu auch Investitionen in Forschung und Entwicklung, in Produkt- und Prozessinnovationen. 

Auch die Politik und die Agentur für Arbeit seien gefordert. „Die Beschäftigten brauchen verbesserte Chancen auf beruflich ausfüllende Tätigkeiten und offene Zugänge zu Weiterbildung und beruflicher Entwicklung", sagte Giesler. "NRW braucht eine Industrie- und Arbeitspolitik, die Betriebe und Menschen darin stützt, ihren Anschluss an die Zukunft zu sichern.“ 

Dass sich die Transformation gestalten lässt, habe die IG Metall NRW in den vergangenen Jahren mit ihren Projekten „Arbeit 2020 in NRW“ und „it’s OWL-Arbeit4.0“ gezeigt. Giesler: „Unsere Erfahrung aus den Projekten zeigt: Innovative Lösungen in den Betrieben entstehen gemeinsam mit den Betriebsräten und Beschäftigten. Beteiligung und Mitbestimmung werden damit zum Schlüssel für die erfolgreiche Gestaltung der Arbeitswelt von morgen.“ 

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