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04/02/2019

Stahlarbeiter starten Warnstreiks

  • Warnstreik vor TKSE in Dortmund / 11 Fotos: Thomas Range

In Dortmund haben heute 350 Beschäftigte von Thyssen-Krupp Steel die Arbeit niedergelegt – aus Protest gegen die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber.

Auch in der dritten Tarifverhandlung am Freitag, 1. Februar, hatten die Arbeitgeber wider Erwarten kein Angebot vorgelegt. Die IG Metall-Vertreter warfen ihnen vor, auf Zeit zu spielen – und verließen nach 15 Minuten den Saal. „Kein Angebot, keine Verhandlung“, erklärte IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Knut Giesler. 

Am Montagmorgen steht er auf der Bühne vor Tor W1 von Thyssen-Krupp Steel Europe (TKSE) in Dortmund. Die IG Metall-Bevollmächtigte Ulrike Hölter ist „voll stolz“, dass in der schwarz-gelben Fußballmetropole der Startschuss für die Warnstreiks in der nordwestdeutschen Stahlindustrie fällt. Auch sie ist sauer auf die Arbeitgeber; statt konstruktiver Vorschläge habe es „nur heiße Luft und dumme Fragen“ gegeben. 

„Ihr stärkt unserer Verhandlungskommission den Rücken“, ruft Ulrike Hölter den Teilnehmern der Kundgebung zu, „und das ist die Sprache, die die Arbeitgeber verstehen“. 

Es sei ja „ein bisschen kalt“, stellt IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler fest, „aber wenn ich Euch sehe, wird mir warm ums Herz.“ In einer Tonne wenige Meter vor der Bühne brennt eine zersägte Holzpalette. Das Feuer wärmt. Wie der Kaffee, den man sich im IG Metall-Zelt aus Pumpkannen ziehen kann. Dazu gibt’s süße Weckchen in Form einer Sechs. 

Um so viel Prozent sollen die Tarifeinkommen in der Stahlindustrie steigen, fordert die IG Metall. Viel umstrittener ist jedoch die Forderung nach 1800 Euro Urlaubsgeld, das – falls gewünscht – in freie Tage umgewandelt werden kann. In der Metall- und Elektroindustrie gibt es bereits diese Wahlfreiheit. Sie kommt bei den Beschäftigten gut an, 260 000 wünschen sich Zeit statt Geld. Das ist zwar eine Herausforderung für die Personalplaner, stellt sie aber nicht vor unlösbare Aufgaben. 

Genüsslich zitiert Knut Giesler einen Brief des Handelsblattes, demzufolge sich „die Stahlnachfrage erholt“. Scheinbar sehen nur die Arbeitgeber dunkle Wolken am Horizont der wirtschaftlichen Entwicklung. Viele Demonstranten tragen rote Warnwesten mit der Aufschrift „Wer mehr Wert schafft, hat auch mehr verdient“. 

Der Sprecher der IG Metall-Vertrauensleute bei TKSE Dortmund, Muzaffer Akbuket, erinnert an die stark gestiegenen Stahlpreise: „Da muss doch für uns was übrig bleiben!“ Sein Vorgänger im Amt, Detlef Gnatowski, sieht das ähnlich. Und wirft den Arbeitgeber vor, Wind zu säen. „Für den Sturm sorgen wir jetzt.“ 

In der Zeit bis zur vierten Tarifverhandlung am 18. Februar sind weitere Warnstreiks in NRW, Bremen und Niedersachsen geplant.

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