Über 50.000 demonstrieren in Berlin für eine gerechte Zukunft

Weit mehr als 50.000 Menschen sind am 29. Juni dem Aufruf der IG Metall gefolgt und demonstrieren unter dem Motto #FairWandel für einen sozialen und ökologischen Umbau der Industrie. Viele Tausende kommen aus Nordrhein Westfalen. 

Ein Blick von der großen Bühne am Brandenburger Tor in Richtung Siegessäule reicht, um zu erkennen: Das Thema, um das es hier und heute geht, ist den Menschen wichtig. Da stehen sie, so weit das Auge über die Straße des 17. Juni reicht, Schulter an Schulter, schwenken Fahnen, halten Transparente hoch und haben eine gemeinsame Frage an die Entscheider in diesem Land: Wo ist euer Plan? 

Wandel funktioniert nicht von allein 

Mit der #FairWandel-Kundgebung am 29. Juni 2019 hat die IG Metall das Thema Transformation machtvoll in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Diskussion geschoben. Die Forderung der IG Metall und ihrer Mitglieder: Das Nichtstun muss ein Ende haben. Mobilitätswende, Energiewende, Klimaschutz und die digitale Transformation der Industrie – das alles funktioniert nicht von alleine. Deutschland braucht einen Plan, Entschlossenheit und natürlich Investitionen.

Versäumnisse von Politik und Wirtschaft

Als der Vorsitzende der IG Metall Jörg Hofmann ans Mikrofon tritt, legt er den Finger in die Wunde und wirft Wirtschaft wie Politik schwere Versäumnisse vor. „Jedes zweite Unternehmen hat sich mit Antworten auf die Digitalisierung entweder noch nicht oder noch nicht ausreichend beschäftigt“, so Hoffmann. Die Angst: die Unternehmen sind nicht vorbereitet und werden abgehängt. Einst sicher geglaubte Arbeitsplätze gehen verloren. „Die Digitalisierung krempelt unsere Arbeitswelt komplett um und greift tief in unseren Alltag ein.“ Was das bedeutet, weiß in letzter Konsequenz noch niemand, aber es ist spürbar hier in Berlin, die Verunsicherung der Menschen wächst.

Ein zentrales Anliegen an diesem Tag ist die Forderung an Arbeitgeber und Politik, dafür zu sorgen, dass der ökologische und digitale Wandel nicht massenhaft Verlierer hervorbringt. Denn das darf nicht passieren, wollen wir weiter in einer friedlichen und gerechten Gesellschaft leben. Die IG Metall fordert, den technischem Fortschritt als Chance zu nutzen. Das setzt aber voraus, dass man im Sinne der Menschen handelt und sie mitnimmt. Ein wichtiger Punkt hierbei sind Qualifikationen. „Wir verlangen ein Transformationskurzarbeitergeld. Damit werden Entlassungen vermieden und die Beschäftigten können sich für die Arbeit an neuen Produkten qualifizieren", so Hofmann.

Planlose Wurschtelei bei Mobilitätswende

Weiterhin formuliert Hoffmann die klare Erwartung an die Regierenden, die Mobilitäts- und Energiewende endlich erfolgreich umzusetzen. Die planlose Wurschtelei an einem der zentralen Themen unserer Zeit muss aufhören. Die Untätigkeit kostet Deutschland ansonsten die Zukunft. "Wir wollen keine Zieldebatten mehr, sondern endlich konkrete Maßnahmen. Ganz dringend ist  eine flächendeckende und verlässliche Infrastruktur von Schnellladestationen", fordert Hoffmann. Daneben seien massive Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und die Schiene notwendig. "Mit einer Politik der schwarzen Null ist die Verkehrs- und Energiewende nicht zu schaffen.“

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Über 50.000 Metaller/innen gehen für eine gute und gerechte Zukunft auf die Straße

Stillstand bringt nichts

Aus all diesen Gründen sind die Menschen an diesem heißen Sommertag aus ganz Deutschland in Sonderzügen und -bussen angereist, haben ihr Wochenende geopfert, um Politiker und Arbeitgeber daran zu erinnern, dass es einen Job zu machen gibt. Und dass hierfür nicht mehr viel Zeit bleibt. Tausende kommen den weiten Weg aus Nordrhein-Westfalen. Ihre Message zum Thema tragen Sie auf der Brust: „Stillstand hat noch nie was bewegt“. Eine deutliche Botschaft an die Entscheider, endlich die Weichen für eine gute und gerechte Zukunft zu stellen.

Denn es ist ja keine neue Erkenntnis: Digitale Transformation, Globalisierung und Klimawandel sind DIE Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Und sie gehen einher mit einem fundamentalen Wandel aller Lebensbereiche. Die Menschen spüren das schon jetzt in ihren Betrieben. Deswegen sind sie nach Berlin gekommen: die Stahlbauer, die Maschinenbauer, die Autobauer, die Handwerker. Der Wandel birgt Risiken für ihre Arbeitsplätze. Und sie sehen bei der Bundesregierung und den Arbeitgebern aktuell keinen Plan, aus diesen Risiken Chancen zu entwickeln.

Berlin ist nur der Anfang

Wir akzeptieren keine Traumwandlerei bei den wichtigsten Arbeitsmarkt-Thema seit 50 Jahren. Wir wollen auch in Zukunft gute und sichere Arbeitsplätze in NRW - nicht trotz, sondern gerade wegen des Wandels. Und das kann gelingen: Wenn alle entscheidenden Kräfte im Sinne der Menschen zusammenarbeiten. Denn nur eine gerechte Zukunft für die arbeitenden Menschen in NRW ist für uns verhandelbar. 

Die Großkundgebung am 29. Juni in Berlin ist ein schöner Erfolg, aber sie ist nur der Anfang. Der Wandel soll für Deutschland zur Chance werden. Dafür müssen wir hart arbeiten und kämpfen, um mit Politik und Wirtschaft die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Für uns entscheidend ist: Wir wollen niemanden zurücklassen und die Zukunft im Sinne der Menschen gestalten. Denn eins ist klar: Wir alle wollen auch morgen noch in einer Gesellschaft leben, in der es gerecht zugeht und in der jeder eine vollwertige Arbeit finden kann.