Politik
25/08/2012

Optimistischer Blick in die Zukunft

Einen optimistischen Blick in die Zukunft der Industriegesellschaft warfen Referenten und Delegierte auf der Bezirkskonferenz der IG Metall NRW in Köln. Am zweiten und letzten Tag der Konferenz stand die Zukunft von Industrie und industrieller Arbeit im Mittelpunkt der Diskussion.

Mehr als 50 Prozent aller Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen hängen von der Industrie ab, direkt und indirekt. Grund genug, sich über deren Zukunft Gedanken zu machen. Wie wird sich die industrielle Produktion in den nächsten Jahren verändern? Wovon hängt es ab, ob die Zahl der Arbeitsplätze gehalten oder sogar gesteigert werden kann? Was können IG Metall und Betriebsräte tun, um die erfolgreiche Entwicklung der Industriearbeit zu befördern? Fragen, die IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard zu Beginn der Veranstaltung stellte.

Wilhelm Bauer, Professor am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, präsentierte Szenarien, wonach die Zahl der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe von 7,7 Millionen (2011) bis 2020 auf gut sieben Millionen sinken könne. Doch die Bandbreite der Prognosen reiche von 5,5 bis zu einem Zuwachs auf 8,5 Millionen. Wichtig sei, dass es gelinge, die Erfolgsfaktoren zu nutzen.

Zukunft passiert nicht, sie wird gemacht

Bauer plädierte dafür, hierzulande entwickelte Technik auch hierzulande zu produzieren. Erforderlich seien dafür zum Beispiel gute Bedingungen der Aus- und Weiterbildung, lernförderliche Arbeitsbedingungen und alternsgerechte Produktionssysteme. Es seien die Menschen, von denen die erforderlichen Innovationen ausgingen, und in Zukunft würden eher mehr als weniger Menschen beispielsweise in der automobilen Wertschöpfungskette mit Ausrichtung auf Elektromobilität gebraucht. Die Industrie von morgen, "Industrie 4.0" genannt, in der die Technik über das Internet vernetzt sei und Menschen und Maschinen in neuer Art und Weise kommunizieren, werde "kein Jobkiller", sagte Bauer.

Auch Constanze Kurz von der IG Metall-Vorstandsverwaltung, zuständig für Betriebs- und Branchenpolitik, betonte die Gestaltbarkeit der industriellen Zukunft und die Bedeutung der Mitbestimmung und Einflussnahme von Betriebsräten und Gewerkschaft. Für die IG Metall seinen dabei sowohl die Arbeitsbedingungen in der industriellen Fertigung einschließlich Leiharbeit, Werkverträge und Outsourcing, als auch jegliche Ebenen der weiter wachsenden Bereiche industrierelevanter Dienstleistungen von Bedeutung. Die IG Metall richte sich darauf aus, die Prozesse innovativer Arbeitsgestaltung und Technikentwicklung sowohl betrieblich als auch politisch noch intensiver als bisher mitzugestalten, damit die Industrie der "Motor wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wohlfahrt" bleibe.

Dem Chef Verbesserungsvorschläge unterjubeln

IAO-Experte Bauer betonte, dass die Zukunft nicht über die Menschen hereinbreche, sondern hier und heute von Menschen geplant werde. "Wir machen sie!" Auf die Frage, was er Betriebsräten empfehle, sagte er, sie sollten "informiert und gesprächsfähig sein". Das sei man, entgegnete der Bielefelder Delegierte und Betriebsratsvorsitzende Peter Borchert, nütze aber oft nichts. Viele Arbeitgeber lehnten gute Ideen des Betriebsrats allein deshalb ab, weil es Ideen des Betriebsrats sind. Borchert empfahl in diesem Fall, "trojanische Pferde" in Marsch zu setzen und beispielsweise Ingenieure für die Verbesserungsvorschläge des Betriebsrats zu begeistern. Dann könne der Arbeitgeber jeden Fortschritt als "Idee des Managements" preisen.

Von enttäuschenden Erfahrungen berichtete Gerhard Dörfling, Betriebsrat und Delegierter aus der Verwaltungsstelle Hamm-Lippstadt. Der Mensch werde dem technischen Fortschritt bloß angepasst; die Folgen - mehr Arbeitsdruck und psychische Belastung - gingen zunehmend zu Lasten der Beschäftigten, "der Profit hat Vorrang vor allem".

Von positiven Erfahrungen berichtete Karl-Heinz Reidenbach aus Krefeld, Betriebsratsvorsitzender eines großes Autohauses. Man habe die Firma überzeugt, Schulungen in Sachen Elektroauto anzubieten. Reidenbach: "Das hat geklappt, weil es unsere Initiative vom Hersteller aufgegriffen wurde."

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