Aktuelles Betriebe
25/02/2019

Mieles Zukunft mitgestalten

IG Metall-Pressekonferenz: (v.l.) Patrick Loos, Ute Herkströter, Thomas Wamsler und Andreas Bernstein / Foto: Norbert Hüsson

Der Hausgerätehersteller plant Sparprogramme und Produktionsverlagerungen, will jedoch nicht mit der IG Metall über Alternativen reden. 

Auf einer Pressekonferenz in Gütersloh, wo Miele noch 6400 Menschen beschäftigt, erinnerte Thomas Wamsler, Geschäftsführer der IG Metall Gütersloh-Oelde, an eine Umfrage: „Vor einem Jahr haben wir die Beschäftigten gefragt, ‚was ist Miele für dich?‘. Die Antwort: ‚Zukunft, Familie‘. Jetzt wollten wir wissen, ‚was bin ich für Miele?‘. Die Antwort: ‚Ein Kostenfaktor!‘“

Die Zeiten haben sich geändert. An den Standorten Gütersloh und Bielefeld, Oelde, Warendorf, Lehrte und Euskirchen, Arnsberg und Bünde kehrt Unruhe ein. Zum 1. Januar 2020 wird der Standort München geschlossen; der Betriebsrat bekam nicht einmal die Chance, sein Alternativkonzept zu begründen, obwohl das fest vereinbart war. Berater von McKinsey durchforsten die weltweiten Produktionsbeziehungen von Miele; sie sollen 100 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Die Hälfte der Gütersloher Waschmaschinenproduktion soll nach Polen verlagert werden, dort werden Kapazitäten aufgebaut, in Tschechien werden sie ausgebaut. Lieferanten werden aufgefordert, auch dort zu produzieren. Es gibt einen Einstellungsstopp, Ausgebildete werden nur noch befristet übernommen, die Verträge befristet Beschäftigter werden nicht mehr entfristet. 

Klare Ansagen liefert der Konzern nicht: „Es wabern Zahlen durch die Gegend, die später dementiert werden“, sagte Patrick Loos, Tarifsekretär der IG Metall-Bezirksleitung. „Wir stochern im Nebel, die Beschäftigten werden nicht einbezogen, die Konzernspitze entscheidet alles allein, top down.“ Dabei will die IG Metall sich nicht als Blockierer profilieren, im Gegenteil: „Wir sind nicht gegen Veränderungen“, sagte Loos, „wir sorgen uns um die Zukunft der Beschäftigten.“ Die IG Metall wolle nicht irgendwann über Sozialpläne verhandeln müssen, „sondern frühzeitig mitgestalten“, damit Miele ein Vorzeigeunternehmen bleibe. 

Vom Konzernumbau sind alle Werke betroffen, deshalb will die IG Metall auch über die Zukunft aller Standorte mit dem Unternehmen reden. Sie fordert seit Anfang 2018 einen Zukunftstarifvertrag, damit die Interessen der Beschäftigten gewahrt  bleiben. Das aber lehnt Miele ab. „Man ist es nicht gewohnt, mit anderen als sich selbst zu sprechen“, erklärte Thomas Wamsler, der auch Konzernbeauftragter der IG Metall für Miele ist.  

Selbst Insider verstehen das Vorgehen der Unternehmensleitung nicht. „Miele macht Gewinn“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Andreas Bernstein, „wir können nicht so viel produzieren wie der Markt verlangt“. Trotzdem soll das Auslandsengagement erstmals zu Lasten der Inlandsumsätze gehen. 

„Wir fordern, dass Miele die Sorgen der Beschäftigten ernst nimmt und endlich alle Karten auf den Tisch legt“, sagte die Bielefelder IG Metall-Bevollmächtigte Ute Herkströter. „Wir wollen wissen, wie es mit den deutschen Betrieben und Zulieferstandorten weitergehen soll.“ Das aber scheint zu viel verlangt zu sein. Das Familienunternehmen will sich nicht in die Karten schauen lassen, geschweige denn über seine Pläne verhandeln. 

Dagegen keimt Widerstand auf. Am 19. Februar gab es – erstmals in der Unternehmensgeschichte – zeitgleich Aktionen an allen Standorten in Deutschland.

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