Betriebe
13/09/2012

Die Gallier bitten Gott Teutatis um Hilfe

Gehen in sechs Wochen auch die letzten 311 Arbeitsplätze bei TRW im ostfranzösischen Ramonchamp verloren? Dagegen demonstrierten heute mehrere hundert Beschäftigte aus Frankreich und den TRW-Standorten Düsseldorf, Krefeld und Gelsenkirchen in Kaarst. Dort tagt der Euro-Betriebsrat der Autozulieferfirma.

Der Lärm vor dem Hotel Park Inn ist ohrenbetäubend. Mit voller Wucht schlagen mehrere Demonstranten auf vier fahrbare Ölfässer ein; zu ihrer Linken steht „Asterix“, zu ihrer Rechten postieren sich „Obelix“ und „Troubadix“ – sofort sind alle Fotografen zur Stelle. Auf ihrem Transparent erbitten alle „Arbeit für Ramonchamp von Teutatis“, dem Urgott der Gallier.

Der US-Konzern TRW Automotive beschäftigt in Europa 40.000 Menschen an 70 Standorten: in Deutschland und Frankreich, England, den Niederlanden, Italien, Spanien und Portugal, in Polen, Rumänien und Tschechien. François Cunat, der Bürgermeister von Ramonchamp, verurteilte „die Verachtung, mit der die Arbeitnehmer behandelt werden, die über 40 Jahre lang für den Wohlstand des Unternehmens gesorgt haben“. Er bat das Management, seine Entscheidung zu überdenken.

Absichtlich in die Pleite getrieben

Noch 2004 erwirtschafteten in Ramonchamp 700 Mitarbeiter einen Umsatz von 105 Millionen Euro. Doch seitdem sei dort kein Geld mehr investiert worden, warf ein Vertreter der französischen Gewerkschaft CGT der Geschäftsführung vor. Im Gegenteil: Der Konzern hungere die westdeutschen Standorte aus, sagte er, um die Produktion nach Osteuropa zu verlagern, zum Beispiel nach Dacice in Tschechien. Dabei würde eine Reduzierung der Arbeitszeit dort „den Erhalt sämtlicher Arbeitsplätze in Ramonchamp ermöglichen“.

Im Juli hat TRW sein Werk in Ramonchamp für zahlungsunfähig erklärt. Zuvor wurde der Standort als unabhängiger Betrieb verselbstständigt. Dahinter vermutet die CGT einen Trick: Ein insolventer Betrieb muss keinen Sozialplan abschließen. Und wenn er unabhängig ist, wird auch der Konzern nicht zur Kasse gebeten. Für die – in diesem Fall geringen – Sozialplankosten kommt der Staat auf.

Großes Polizeiaufgebot

Paul Rodenfels, der IG Metall-Konzernbetreuer für TRW, war empört. Das Park Inn an der Königsberger Straße in Kaarst werde von Security-Leuten und Polizisten geschützt „wie eine Festung“, sagte er. Das TRW-Management müsse gewalttätige Auseinandersetzungen befürchtet haben, glaubt Rodenfels. Die Verantwortlichen bei TRW „haben Angst vor euch“, rief er den Demonstranten zu. Ein Polizeisprecher vor Ort wiegelte ab und bezeichnete den Polizeieinsatz auf Nachfrage als „ganz normal“. Vor dem Hotel und auf der Straße standen acht Polizeiautos.

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