Politik
12/09/2012

"Dieses Buch macht Mut"

Es gibt sie noch, die Henrichshütte in Hattingen – als Industriemuseum. Dort stellte die IG Metall Gevelsberg-Hattingen heute ein Buch vor, in dessen Mittelpunkt der Kampf um die Hütte vor 25 Jahren steht. „Keine leichte Kost, aber eine lohnenswerte Lektüre“, sagte der frühere „taz“-Redakteur Walter Jakobs bei der Vorstellung des Buches.

Am 15. September 1987 eröffnet der IG Metall-Vorsitzende Franz Steinkühler auf dem Hüttengelände das „Dort des Widerstands“. Elf Tage stand es, trotz aller Einschüchterungsversuche des Thyssen-Konzerns. Diese elf Tage haben die Welt nicht verändert, stehen aber symbolisch für „eine kleine Kulturrevolution“, schreibt der Buchautor, der ehemalige IG Metall-Bevollmächtigte Otto König: Vor 25 Jahren hätten im Revier „tatsächlich alle Räder“ stillgestanden: „Hunderttausende Arbeitnehmer legten im Dezember 1987 die Arbeit nieder, blockierten Straßen und Brücken“. Die Staumeldung im Verkehrsfunk sei doppelt so lang gewesen wie die Nachrichten. „Das Ruhrgebiet war dicht.“

Der Kampf der Stahlwerker gegen Massenarbeitslosigkeit und für Ersatzarbeitsplätze war zu einer Bürgerbewegung geworden. Der Protest zog sich quer durch alle Schichten und Berufe. Die Menschen erlebten hautnah, was heutzutage mit dem blutleeren Wort „Strukturwandel“ etikettiert wird: das Verschwinden von Kohle und Stahl.

Das Buch mache Mut, schreibt Königs Nachfolgerin Clarissa Bader im Vorwort; es erinnere daran, dass Menschen „kollektiv für ihre Interessen eintreten“ – „jenseits allem Trennenden“. Mehr noch: Es wurden neue Arbeitskampfformen praktiziert – von Menschenketten zum Schutz von Arbeitsplätzen bis zur Betriebsbesetzung – und neue Ansätze von Wirtschaftsdemokratie entwickelt, zum Beispiel die Betriebsübernahme in Arbeitnehmerhand. Wer aus der Geschichte lernen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.

Ob der Kampf umsonst war, fragte sich Buch-Vorsteller Jakobs. „Gewiss nicht.“ Und wer das bezweifle, möge das Buch lesen. Bürgermeisterin Dagmar Goch sagte, der Widerstand von damals trage noch heute „gute Zinsen“: Viele Millionen seien nach Hattingen geflossen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeitslosigkeit von damals – 16,8 Prozent im Frühjahr 1988 – sei auf 8 Prozent gesunken.

Das Buch "Band der Solidarität" über die Geschichte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen von 1945 bis 2010 ist im VSA-Verlag erschienen (544 Seiten). Es kostet im Buchhandel 39,80 Euro. IG Metall-Mitglieder erhalten es bei der IG Metall Gevelsberg-Hattingen -  gevelsberg-hattingen(at)igmetall(dot)de - für 19 Euro.

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