Betriebe
21/01/2014

IG Metall Hamm-Lippstadt: "Alle auf die Straße!"

"Keiner an den Verhandlungstisch - alle auf die Straße!" Mit dieser Parole mobilisieren die IG Metall Hamm-Lippstadt und der Betriebsrat des Automobilzulieferers AB Elektronik die Bevölkerung der Region. Denn obwohl ein Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung besteht, will das Unternehmen die Produktion einstellen und verlagern. Rund 400 der 628 Beschäftigten würden arbeitslos.

Der IG Metall-Bevollmächtigte von Hamm-Lippstadt, Alfons Eilers, sieht keinen Grund, mit der Geschäftsleitung zu verhandeln. "Wir haben einen Vertrag zur Standortsicherung, der bis zum 31. Dezember 2015 gültig ist", zitiert der Westfälische Anzeiger (WA) den Metaller, "worüber sollen wir reden?" Stattdessen handeln die IG Metall und der Betriebsrat: An den beiden Wochenenden nach Bekanntgabe der Unternehmenspläne am 9. Januar fanden Mahnwachen vor AB Elektronik statt; ein Band der Solidarität wird geknüpft, woran sich auch die Belegschaften anderer Firmen beteiligen; es finden Betriebsversammlungen und am 9. Februar eine Bürgerversammlung statt. Ein Runder Tisch soll entstehen und die Lokalpolitik an der Lösung des Problems beteiligen. AB Elektronik zählt zu den größten Arbeitgebern in der 30.000-Einwohner-Stadt Werne. Vor dem Werk steht das Aktionsmobil der IG Metall, es dient allen als Anlaufstelle.

Die Arbeitnehmerseite besteht auf Einhaltung des Tarifvertrags zur Standort- und Beschäftigungssicherung, der vor zehn Monaten, im März 2013, geschlossen wurde. Damit wurde die Verlagerung der Produktion nach Rumänien gestoppt.

AB Elektronik, eine Tochter des britischen Konzerns TT Elektronics, schreibt pechschwarze Zahlen. Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Rainer Kottmeyer hat das Unternehmen 2013 eine Dividende von 4,3 Prozent erwirtschaftet, im Jahr davor eine von sieben Prozent. Der Ertragsrückgang sei damit zu erklären, dass der Standort Werne die AB-Standorte in Rumänien, Indien und China unterstützt habe. Kottmeyer: "Der Vorstand will zweistellige Renditen, aber zehn Prozent sind absolut utopisch."

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