Betriebe
21/08/2009

400 Demonstranten fordern Job-Erhalt

Rund 400 Beschäftigte der Firmen Avery Dennison und O&K Antriebstechnik haben heute in Sprockhövel gegen die geplante Vernichtung hunderter Jobs protestiert. Beim Textil-Etiketten-Hersteller Avery Dennison stehen 180 von 300 Jobs auf dem Spiel, beim Maschinenbauer O&K alle 200. IG Metall Bezirksleiter Oliver Burkhard warf beiden Unternehmen vor, 380 Arbeitsplätze mutwillig zu vernichten.

Tatsächlich ist in beiden Fällen nicht nachvollziehbar, warum die Produktion ins Ausland verlagert werden soll und die Existenz beider Standorte damit in Frage gestellt wird. Avery Dennison in Sprockhövel hat einen Großteil seiner Kunden durch massive Preiserhöhungen verprellt, das heißt, sich bewusst von ihnen getrennt. Die Geschäftsführung will sich künftig auf wenige Großkunden beschränken. Der Betriebsrat hingegen will mit Hilfe der Essener Beratungsfirma PCG (Project Consult GmbH) nachweisen, dass auch die Kleinkunden ein auskömmliches Einkommen ermöglichen und möglichst viele Arbeitsplätze gerettet werden können. Zumal eine Produktionsverlagerung der Anfang vom Ende des Standorts sei. Das Vertrauen der Belegschaft in die Geschäftsführung ist im Übrigen erschüttert, denn vor einem Jahr hat sie noch behauptet: "Der Standort hier hat Zukunft!"

Auf der Demonstration in Sprockhövel kritisierte der Betriebsratsvorsitzende von Avery Dennison, Björn Kurrek, die Firmenleitung heftig: Sie habe "den Karren in den Dreck gefahren", sagte er - "und will jetzt das Pferd erschießen, das sie in den Dreck gepeitscht hat." Kurzarbeit lehnt die Geschäftsführung ab.

Noch unverständlicher ist die geplante Schließung von O&K Antriebstechnik. Die Firma soll vom Werksgelände verschwinden, es steht eine Räumungsklage an, über die das Oberlandesgericht Hamm am 4. September entscheidet. Der Mietstreit zwischen dem O&K-Eigner, der italienischen Carraro-Gruppe, und dem Besitzer des Werkgeländes, der Habacker-Holding in Düsseldorf, wird als Vorwand genutzt, um die Getriebeproduktion nach China zu verlagern. Der Betriebsrat will jedoch mit Unterstützung der Saarbrücker Info-Instituts nachweisen, dass die Fertigung von Einzelstücken und Getriebe-Kleinserien am Standort Hattingen profitabel wäre. Auf der Kundgebung in Sprockhövel bezeichnete der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Gerd Starosta die geplante Arbeitsplatzvernichtung als "unmenschlich".

Die Hattinger Bürgermeisterin Dagmar Goch (SPD) stellte die Frage: "Was ist das für ein System, in dem Belegschaften für schwarze Zahlen sorgen und trotzdem um ihren Arbeitsplatz bangen müssen?" Es sei "Zeit, über dieses Wirtschaftssystem grundlegend nachzudenken."

Oliver Burkhard, Bezirksleiter der IG Metall NRW, versprach den Demonstranten, die Gewerkschaft werde sie weiterhin unterstützen. Die Abbruchpläne der Firmenleitungen von Avery Dennison und O&K Antriebstechnik müssten gestoppt werden. "Wir werden diesen Kurs gegen Zukunft und Vernunft nicht akzeptieren."

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