Betriebe
15/12/2009

Massenentlassung verhindert

Das Elektronikunternehmen Weidmüller in Detmold (1.560 Mitarbeiter) unterlässt die geplante Entlassung von 207 Beschäftigten. Das haben Betriebsrat und Geschäftsführung heute mitgeteilt. Nach den Worten des IG Metall-Bevollmächtigten Reinhard Seiler hat der Verhandlungserfolg beim größten Arbeitgeber vor Ort "riesige Bedeutung".

Der Betriebsratsvorsitzende von Weidmüller, Robert Chwalek, kommentierte die Einigung mit der Firmenleitung so: "Lippische Sturheit und Beharrlichkeit zahlen sich aus."

Der seit Mai andauernde Konflikt war erst gelöst worden, nachdem auf einer Großdemonstration Mitte November 2009 (siehe Foto) 207 schwarze Luftballons in den Himmel aufgestiegen waren - und der Betriebsrat zwei Wochen lang rigoros alle Überstunden abgelehnt hatte.

Ursprünglich hatte die Firma sogar 250 Mitarbeiter entlassen wollen, über ein Freiwilligenprogramm haben mittlerweile 80 Beschäftigte das Unternehmen verlassen. Die Begründung für den geplanten Personalabbau: Ein massiver Umsatzeinbruch. Dennoch wollten Betriebsrat und IG Metall Entlassungen nicht akzeptieren.

Die Eckpunkte des Verhandlungsergebnisses lauten: Keine betriebsbedingten Kündigungen, Sicherung der Beschäftigung bis 31. August 2010. Dafür akzeptiert die Belegschaft die Verschiebung der Tariferhöhung (2,1 Prozent) von Mai auf Dezember 2009. Außerdem leisten die Beschäftigten, die nicht kurzarbeiten müssen, bis Jahresende einen "Soli-Beitrag" - sie verzichten auf 3,7 bis 4,2 Prozent ihres Einkommens. Das übertarifliche Weihnachtsgeld 2009 und 2010 wird abgesenkt - auf 70 bis 55 Prozent eines Monatseinkommens (letzteres entspricht dem Tarifniveau); die Altersteilzeitler sind von der Absenkung 2010 nicht betroffen.

Die zwölfmonatige Übernahme von zwölf Ausgebildeten, die im Januar 2010 ausläuft, wird mindestens bis Juli nächsten Jahres verlängert. Auch die Kurzarbeit soll bis Februar 2011 verlängert werden.

Der Detmolder IG Metall-Bevollmächtigte Reinhard Seiler bezeichnete die Einigung bei Weidmüller als "unseren Beitrag zur IG Metall-Forderung 'Keine Entlassungen in der Krise'." Ihre politische Bedeutung sei riesig. Wäre es zur geplanten Massenentlassung gekommen, wäre ein Dominoeffekt zu befürchten gewesen, sprich andere Firmen hätten ebenfalls zu diesem Mittel der Krisenbewältigung  gegriffen, erklärte Seiler. Das habe mit Druck und Konzept verhindert werden können - und sei jetzt "die Blaupause" für vergleichbare Auseinandersetzungen in anderen Betrieben.

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