Betriebe
15/12/2012

Profitgier frisst Arbeitsplätze

Fast 500 Menschen protestierten heute gegen die geplante Kündigung von 150 Beschäftigten beim Automobilzulieferer TRW in Gelsenkirchen. Das Schalker Werk fährt in diesem Jahr voraussichtlich einen Gewinn von 22 Millionen Euro ein.

Angeführt vom Gelsenkirchener IG Metall-Bevollmächtigter Robert Sadowsky ziehen die Demonstranten vom "Musiktheater im Revier" quer durch die Innenstadt, durch Fußgängerzone und über den Weihnachtsmarkt zum Heinrich-König-Platz. Am Protest nehmen Beschäftigte anderer Betriebe wie Vaillant und Thyssen-Krupp teil, auch die TRW-Schwesterwerke in Krefeld und Basinghausen bei Hannover sind vertreten. Neben Metallern laufen Mitglieder der DGB-Gewerkschaften Bauen-Agrar-Umwelt sowie Bergbau, Chemie, Energie mit.

64 TRW-Beschäftigte haben schon ihren Arbeitsplatz verloren, weil ihre befristeten Arbeitsverträge nicht verlängert wurden. Langfristig ist geplant, das Werk für Lenkungssysteme in Gelsenkirchen-Schalke von 800 auf 530 Mitarbeiter herunterzufahren. Dabei macht der Betrieb in diesem – wie im vergangenen – Jahr Gewinne. Und noch ist genug zu tun, es werden Sonderschichten gefahren.

Doch eine Absatzschwäche ist absehbar, bedingt durch die rückläufige Produktion von Peugeot und Citroen, Opel und Ford. Diesen Konjunktureinbruch wollen IG Metall und Betriebsrat mit Kurzarbeit überwinden: „Kürze Arbeitszeiten für alle statt Kündigungen für 150“, wiederholt der IG Metall-Bevollmächtigte während des Protestmarschs durch die City immer wieder. Das Motto von TRW müsse lauten: „Wir stehen die Flaute gemeinsam durch“, sagt Sadowsky. Doch die Firmenleitung ist nicht einmal bereit, über Kurzarbeit zu reden.

Stattdessen baut die Konzernspitze Werke in Polen und China. Die Schalker empört besonders, dass ihre Gewinne das TRW-Entwicklungszentrum in Düsseldorf finanzieren – sie selbst aber die neuen Produkte, die dort entstehen, nicht produzieren sollen.

Die Belegschaft werde wohl „die Kraft der Worte durch Taten ergänzen“ müssen, ruft Sadowsky auf der Abschlusskundgebung ins Mikrofon. Die Manager von TRW wollen „uns treffen, wo es uns weh tut“, sagt er weiter, „wir können sie auch treffen, wo es ihnen weg tut“.

Oberbürgermeister appelliert an Unternehmen

Oberbürgermeister Frank Baranowski findet es „unerträglich“, wenn es beim geplanten Arbeitsplatzabbau bliebe. Er ruft das Unternehmen dazu auf, seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden und Kurzarbeit einzuführen.
Der Betriebsratsvorsitzende Ugur Coskun zeigt sich entschlossen: „Lasst uns für unsere Arbeitsplätze kämpfen!“

Die TRW-Belegschaft hat von 2004 bis Ende 2011 erheblich dazu beigetragen, dass ihr Werk heute hoch profitabel ist – mit 40 Millionen Euro. Auf so viel Lohn haben die Beschäftigten verzichtet. Das entspricht pro Kopf dem Wert eines Opel Corsa. Das scheint die Geschäftsleitung vergessen zu haben. Ihr Verhalten erinnert an das geflügelte Wort „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.“

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