Politik
23/02/2012

Zehntausende Metallbeschäftigte halten inne

Zehntausende Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in NRW haben der Opfer rechter Gewalt gedacht. Sie hielten heute Mittag, 12 Uhr, eine Minute lang inne. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Arbeitgeberverbände hatten zu der Gedenkaktion aufgerufen.

„Für Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Antisemitismus kann es in unserer Gesellschaft und in den Betrieben keinen Platz geben“, sagte IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard. „Unser Mitgefühl und Gedenken gilt denjenigen, die mit ihren Familien und Freunden zu Opfern rechtsextremer Gewalt wurden.“ Er schäme sich, "dass 67 Jahre nach den Nazigreueln unsere ausländischen Nachbarn nicht friedlich leben können", sagte Burkhard. Die IG Metall-Tarifkommission für die Metall- und Elektroindustrie, die heute im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel tagte, unterbrach ihre Beratungen. Schulleiter Fritz Janitz rief dazu auf, gewerkschaftliche Werte wie Mitmenschlichkeit zu verteidigen: "Wo rechte Gewalt anfängt, endet die Humanität", sagte er.

Bei Siemens in Bocholt ertönten um 12 Uhr in allen drei Werken die Pausensirenen. 2000 Beschäftigte ließen für 60 Sekunden die Arbeit ruhen. Es sei „an der Zeit, ein Zeichen zu setzen in Solidarität mit unseren ausländischen Kolleginnen und Kollegen“, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Andreas Wendland. Bei Siemens Power Generation in Mülheim an der Ruhr beteiligten sich schätzungsweise 3500 Beschäftigte an der Aktion, teilte der Betriebsratsvorsitzende Pietro Bazzoli mit. Bei Miele in Gütersloh legten 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Arbeit nieder.

„Zeichen für kulturelle Vielfalt setzen“

In Düsseldorf und Neuss beteiligten sich viele Großbetriebe der Metallwirtschaft an der Gedenkminute: zum Beispiel Daimler, Thyssen-Krupp Nirosta, Vallourec & Mannesmann und Alu Norf. Der IG Metall-Bevollmächtigte Nihat Öztürk sagte: „Mit der Schweigeminute wollen wir nicht nur ein Zeichen gegen rechte Gewalt und Rassismus setzen, sondern auch ein Zeichen für Respekt, Anerkennung, Menschenwürde und kulturelle Vielfalt.“ Allein in der IG Metall Düsseldorf-Neuss seien Menschen aus 74 Nationen organisiert.

Beim Zugteile-Hersteller Bombardier in Siegen machten 750 Beschäftigte mit. „Wir sind an unserem Standort global aufgestellt, viele Nationalitäten arbeiten hier zusammen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Uli Krombach. „Da ist es für uns selbstverständlich, bei so einer Aktion mitzumachen.“

Dasselbe galt für die 3000 Beschäftigten von Opel Bochum und den 15.000 Beschäftigten der Ford-Werke Köln. Dort standen heute Mittag für eine Minute die Bänder still.

In Gelsenkirchen fanden „in allen Betrieben mit Betriebsrat“ Gedenkveranstaltungen statt, teilte der IG Metall-Bevollmächtigte Robert Sadowsky mit; beispielsweise bei Vaillant, TRW Automotive, Thyssen-Krupp Electrical Steel, Montanhydraulik sowie den Hausgeräteherstellern Küppersbusch und Seppelfricke.

Gedenkminuten gab es nicht nur heute Mittag. Die Beschäftigten von Thyssen-Krupp Steel Europe (TKSE) gedachten heute Vormittag und heute Nachmittag auf ihren Betriebsversammlungen den Opfern rechter Gewalt. „Wir sind eine Multikulti-Belegschaft“, sagte der Sprecher der IG Metall-Vertrauensleute, Wilfried Müller, „und es klappt auch.“

Auch Berufsschüler machen mit

Auch außerhalb der Betriebe wurde der Opfer rechter Gewalt gedacht. Zum Beispiel vor den DGB-Häusern in Duisburg, Düsseldorf und Köln. Der DGB-Vorsitzende von NRW, Andreas Meyer-Lauber, zeigte sich "tief beeindruckt von der großen Resonanz", die Beteiligung an der Schweigeminute sei "überwältigend". Auf Initiative der IG Metall Bielefeld beteiligten sich auch die Schüler des Carl-Severing-Berufskollegs für Metall- und Elektrotechnik an der heutigen Gedenkveranstaltung. Anschließend schraubten Schülervertreter und Oberbürgermeister Pit Clausen ein „Respekt“-Schild der Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ an das Schulgebäude.

Anlass der bundesweiten Gedenkveranstaltungen ist die im vergangenen Jahr aufgedeckte Mordserie einer Naziterrorgruppe aus Zwickau. Die Bielefelder IG Metall hält nicht nur die Aufklärung dieser Taten für erforderlich, sondern auch „eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Wiedererstarken rechtsextremistischer Ideologien“.

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