Betriebe
11/09/2014

Investor vernichtet 55 Existenzen

Die Gießerei Schmolz + Bickenbach in Kohlscheid bei Aachen soll geschlossen werden – obwohl ein Kaufinteressent den Betrieb übernehmen will. Mit einer Kundgebung und einer Demonstration protestierte die Belegschaft heute gegen die geplante Schließung ihres Werks.

Der Berliner Privatinvestor Steffen Liebich hat die Guss-Gruppe Anfang der Jahres übernommen. Er meldete sechs Monate später Insolvenz an. Nach den Plänen von Liebich und dem Insolvenzverwalter Frank Kebekus, Düsseldorf, bleiben die Werke in Krefeld und Ennepetal erhalten, Kohlscheid nicht.

Auf Initiative der Aachener IG Metall-Sekretärin Martina Weber hat der Dürener Anwalt Jörg Zumbaum einen Kaufinteressenten gesucht und gefunden. Der 71-jährige Zumbaum kennt die Kohlscheider Gießerei. Er hat sie von 1997 bis 2000 als Insolvenzverwalter erfolgreich geleitet, dann wurde sie von Schmolz + Bickenbach Guss übernommen.

Der jetzige Kaufinteressent, dessen Namen der IG Metall bekannt ist, sei „sehr solide“, sagte Metallerin Weber. Doch mit ihm habe Investor Liebich „nie ernsthaft verhandelt“. Liebich hingegen hat mehrfach behauptet, er suche unermüdlich einen potentiellen Käufer. „Sie sind ein Schwätzer“, rief Martina Weber an seine Adresse auf der Kundgebung vor dem Werk ins Mikrophon. „Kommen Sie endlich an den Verhandlungstisch.“ (Foto 3)

Der neue Aachener IG Metall-Bevollmächtigte Achim Schyns (Foto 4) zitierte das Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet.“ Doch Investor Liebich wolle „nur aufkaufen und plattmachen“. Das sei „Kapitalismus pur – dr Mensch zählt nicht mehr.“

Der DGB-Geschäftsführer Rainer Wölk bescheinigte den 55 Beschäftigten, „saugute Arbeit“ zu leisten und „saugute Produkte“ zu fertigen. Christoph von den Driesch (CDU), der Bürgermeister von Herzogenrath, wozu Kohlscheid gehört, lobte den Betriebsrat, der den „Mumm" habe, "sich querzustellen“. Die Ehefrau eines Beschäftigten (Foto 5) berichtete, die Existenzangst mache sie „vollkommen irre – nicht nur meinen Mann, die ganze Familie“. Sollte das Werk tatsächlich geschlossen werden, sagte der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Dreßen (Foto 6), „dann gehen wir erhobenen Hauptes und mit Stolz vom Gelände“.

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