Aktuelles Metall & Elektro
29/04/2016

17 000 Beschäftigte legen die Arbeit nieder

Rund 17 000 Beschäftigte aus über 60 Betrieben der Metallindustrie NRW legten in den ersten Stunden nach Ablauf der Friedenspflicht die Arbeit nieder.

So viele Menschen waren zu Warnstreikbeginn noch nie auf den Beinen: in Bielefeld und Dortmund, gleich zwei Mal in Düsseldorf, in Köln und Burscheid, in Iserlohn, Paderborn, Mönchengladbach, Attendorn und Siegen. 

Bei Ford in Köln-Niehl treffen um 0:12 Uhr die Kollegen des Getriebewerks als erste am Kundgebungsort ein. Mit Fackeln. Aus zwei Dutzend Boxen dröhnt Kölsch-Rock. Über die Brücke rücken die Kollegen vom Druckguss- und Schmiedewerk an. Mit Fackeln. Von ganz hinten nähern sich die Kollegen der Fahrzeugfertigung. Mit Fackeln. 

Vor der Bühne, der Ladefläche eines MAN-Lasters, leuchtet ein Meer von Fackeln. Sie verbreiten eine angenehme Wärme, es ist 5 Grad kalt. Die gelben Ford-Jacken passen gut zu den roten IG Metall-Kappen – oder umgekehrt. 

Benny Gruschka, der Sprecher der Vertrauensleute bei Ford, erklärt, warum man zusammen gekommen ist: „Die Arbeitgeber haben ein so gutes Angebot gemacht, dass wir mal darüber reden müssen.“ In der gestrigen dritten Tarifverhandlung haben sie nicht mehr angeboten als in der zweiten, nur anders verpackt: statt 0,9 Prozent für 12 Monate jetzt 2,1 Prozent für 24 Monate. Das ist „kein Angebot, über das wir verhandeln können“, sagt Gruschka. 

IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Knut Giesler regt sich über die Arbeitgeber auf: Sie redeten über „Scheinkonjunktur“, weil die Zinsen niedrig, der Euro billig und die Rohstoffe günstig seien. „Aber sie reden nicht von Scheingewinnen!“, ruft Giesler. Die Auslastung der Betriebe sei mit durchschnittlich 85 Prozent hoch. Ebenso der Nettogewinn mit 3,5 Prozent. „Die Metall- und Elektroindustrie nagt nicht am Hungertuch“, sagt Giesler. Dann kommt der Knüller: „Allein die fünf größten börsennotierten Metallunternehmen schütten mehr Dividenden aus als 5 Prozent mehr Lohn für 3,8 Millionen Beschäftige ausmachen! Seid Ihr weniger wert als die Aktionäre? Nein!“

Witich Roßmann, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Köln-Leverkusen, bringt den Tarifkonflikt auf den Punkt: „Was die Arbeitgeber uns nicht geben, wandert in ihre Taschen!“ 

600 Fiestas werden wegen der Warnstreiks heute im weltweit größten Ford-Werk nicht gebaut. Denn die Produktivität am Standort Köln ist hoch: Alle 74 Sekunden rollte ein Auto vom Band.

Nach der Kundgebung – die meisten Warnstreikenden sind schon gegangen – spielt Imdat Toprakci auf seiner Zurna, einer türkischen Oboe, anatolische Volksmusik. Seine Landsleute tanzen.

Der Kölner Stadt-Anzeiger macht am Morgen mit dieser Schlagzeile auf: „Ford verdoppelt den Gewinn“

Pressemitteilung zu den ersten Warnstreiks

metallnachrichten - Flugblatt

Pressemitteilung zu den Warnstreiks ab 2. Mai

Tag der Arbeit: "Giesler kündigt massive Warnstreiks an"

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