Betriebe
11/05/2009

"Entlassungen sind keine Lösung"

15.000 Beschäftigte haben sich heute am bundesweiten ThyssenKrupp-Aktionstag beteiligt. Betriebsräte und IG Metall hatten dazu aufgerufen, um für Beschäftigungssicherung zu demonstrieren. Der Konzern will bis zu 5.000 Arbeitsplätze abbauen. Allein bei ThyssenKrupp Steel sollen bis zu 2.000 Jobs gestrichen werden - ohne betriebsbedingte Kündigungen. "Entlassungen können keine Lösung sein", sagte IG Metall Bezirksleiter Oliver Burkhard.

Bochum, Essener Straße 240: Neben der roten IG Metall-Fahne flattern zwei große Transparente am Werkzaun von ThyssenKrupp Steel (TKS): "Betriebs-bedingte Kündigungen - nicht mit uns", steht auf dem einen. Auf dem anderen: "Keine Arbeitsplatzabbau: Wir sind wach, Tag und Nacht". Seit Mitternacht halten Beschäftigte Mahnwache, für 24 Stunden, zwölf sind bereits um.
Es nieselt. Holzscheite prasseln in der Tonne am Straßenrand, die Flammen schlagen hoch. Im Zelt brutzeln scharfe Knoblauchwurst und Bratwürste auf zwei Grills. Es gibt belegte Brötchen, Kaffee und Cola. Delegationen von Opel, Johnson Controls und der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen gesellen sich zu den Stahlwerkern.

Die WAZ hat am Wochenende berichtet, dass TKS an allen Standorten bis 2011 insgesamt 1.800 bis 2.000 Arbeitsplätze abbauen will. Ein Sozialplan sei paraphiert worden, hatte Arbeitsdirektor Dieter Kroll der Zeitung gesagt. Betriebsbedingte Kündigungen sollten vermieden werden.

Für Azubi Gökhan Yaman, 21, bedeutet das noch keine Entwarnung: "Man hat schon so vieles gehört, das ändert sich täglich - man weiß nicht, woran man ist."

"In der Belegschaft geht die Angst um", sagt der Betriebsratsvorsitzende Herbert Kastner. Das Vertrauen der Beschäftigten in den Vorstand sei "null". Schon einmal, Ende März, hatte es geheißen, betriebsbedingte Kündigungen kämen nicht in Frage. Kaum hatte man sich darauf verständigte, mochte Vorstandschef Ekkehard Schulz dazu nicht mehr stehen.

"Wir sagen nein zu einem Konzernumbau, der die Menschen nicht mitnimmt", ruft Kastner ins Mikrofon. Die Neuordnung von ThyssenKrupp dürfe nicht zu betriebsbedingten Kündigungen führen, an keinem Standort in Deutschland. Sollte der Vorstand eine andere Politik verfolgen, "dann ist uns nichts mehr heilig!"

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