Leiharbeit
07/02/2011

20 auf einen Schlag

Der Wuppertaler Automobilzulieferer Johnson Controls Interiors hat 20 Leiharbeitnehmer in ein festes Beschäftigungsverhältnis übernommen. Im IG Metall-Ortsvorstand war beschlossen worden, jede Gelegenheit zur Übernahme von Leihkräften zu nutzen.

Sein schönstes Weihnachtsgeschenk hat Leiharbeitnehmer Deniz Günlü, 24, von Betriebsrat und IG Metall erhalten: die Festanstellung beim Wuppertaler Autozulieferer Johnson Controls Interiors (JCI). Mitte Dezember 2010 erfuhr der gelernte Textilmaschinenführer, dass er – rückwirkend seit dem Monatsersten – zur Stammbelegschaft zählt. „Ein Super-Weihnachtsgeschenk!“ Günlü freut sich darüber noch Wochen später. Endlich hat er „was Festes“. Nach der Ausbildung hatte er notgedrungen bei einer Verleihfirma angeheuert, war in der Krise entlassen und arbeitslos geworden, hatte in einem Callcenter gejobbt und war danach wieder als Leihkraft tätig.

Wie Deniz Günlü sind weitere 19 Leihkräfte bei JCI übernommen worden. Betriebsrat Ayhan Abas überbrachte ihnen diese gute Nachricht. „Eine Kollegin hat geheult“, berichtet er. Betriebsratsvorsitzender Sigurd Hauptig nimmt an, dass die 20 Ex-Leiharbeiter jetzt „im Schnitt mindestens 500 Euro mehr verdienen“.

Die Übernahme - ein Vertrauensbeweis

Ihre Übernahme war eine Forderung von Betriebsrat und IG Metall im Rahmen der Verhandlungen zur Standortsicherung. Sie sollte nicht nur Ausdruck der Wertschätzung der Leiharbeitnehmer sein, sondern auch der Kernbelegschaft signalisieren, dass der Standort eine Zukunft hat. JCI zählt in Wuppertal 414 Stammbeschäftigte und beschäftigt rund 60 Leihleute. Der Betriebsrat will sich „weiterhin dafür einsetzen, dass sie übernommen werden“, sagt Hauptig. Dass hierzulande Menschen für die gleiche Arbeit ungleich bezahlt werden, sei „eine Ungerechtigkeit, die niemand begreifen kann“.

Das sehe nicht nur er so, sagt Hauptig. "Wir haben im Ortsvorstand einen Grundsatz beschlossen: Jede Gelegenheit nutzen, um Leihbeschäftigte zu übernehmen."

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