Leiharbeit
31/10/2012

Verleiher wollen Tarifvertrag unterlaufen

Mit viel Phantasie und krimineller Energie sind Zeitarbeitsfirmen bemüht, keinen Branchenzuschlag zu zahlen. Mal drücken sie ihren Leiharbeitern neue, geringer dotierte Arbeitsverträge auf, mal bestreiten sie, was bislang unstrittig war – dass ihre Beschäftigten in der Metallbranche tätig sind. Das kam beim heutigen Aktionstag Branchenzuschlag der IG Metall in NRW heraus.

„Zug um Zug mehr Geld! – Ab 1.11.2012 Branchenzuschläge Leiharbeit“ steht auf dem Plakat, das der Kleinlaster der IG Metall – das Plakatmobil – spazieren fährt. Darunter sind fünf Hände zu sehen mit einem, zwei, drei, vier und fünf ausgestreckten Fingern. Und darunter stehen die Prozentzahlen: 15, 20, 30, 45 und 50.

Um so viel Prozent erhöht sich der Grundlohn der Leiharbeiter nach sechs Wochen Beschäftigung sowie nach drei, fünf, sieben und neun Monaten Beschäftigung. Das hat die IG Metall im Frühjahr mit der Zeitarbeitsbranche tarifvertraglich vereinbart.

In Köln und anderwo wollen sich jedoch nicht alle Verleiher dran halten. Im Supplier-Park Köln-Merkenich erfuhr die IG Metall, dass Randstad ihren Leiharbeitern, die bei der Firma Logistikmagazin Köln (LMK) eingesetzt sind, keinen Zuschlag zahlen will. Begründung: LMK gehöre nicht zur Metallindustrie. Tatsächlich hat das Unternehmen einen Haustarifvertrag mit der IG Metall abgeschlossen. Das Problem ließ sich nicht sofort lösen. Als IG Metall-Sekretär Wolfgang Hensen bei Randstad anrief, meldete sich dort nur der Anrufbeantworter.

"Es gibt noch viel Unkenntnis"

In Mülheim an der Ruhr machte das Plakatmobil der IG Metall mal Halt vor einem Supermarkt, mal vor einer Firma mit Leiharbeitnehmern. „Die Leute waren sehr froh über unsere Informationen“, berichtet der Mülheimer IG Metall-Bevollmächtige Volker Becker-Nühlen. „Es gibt noch viel Unkenntnis.“ Und die Entleiher fingen an zu tricksen: Den Leiharbeitern würden Halbwahrheiten erzählt; beispielsweise, dass der 15-Prozent-Zuschlag erst Mitte Dezember fällig sei. Becker-Nühlen: „Wer am 1. November schon sechs Wochen und länger als Leiharbeiter tätig war, erhält den Zuschlag schon an diesem Tag.“

Vor GEA Westfalia Seperator in Oelde freute sich die IG Metall über regen Zulauf am Infostand. „Wir haben mehr als 30 persönliche Beratungsgespräche vereinbart“, berichtet IG Metall-Sekretär Reinhold Tönjes. Auch er weiß von Tricksereien der Verleiher: „Leiharbeiter erhalten zwar den Branchenzuschlag; aber vorher werden sie um ein, zwei Entgeltstufen herabgruppiert. Unterm Strich erhalten sie also doch nicht mehr. Und aus Angst um ihren Arbeitsplatz wehren sich die Betroffenen nicht – ein unhaltbarer Zustand!“

Die IG Metall Siegen informierte n der Siegerlandhalle 50 Betriebsräte über die Details des Branchenzuschlags für Leiharbeiter. „Betriebsräte müssen Leiharbeiter darüber aufklären können, welche Ansprüche sie haben“, erklärte IG Metall-Sekretär Daniel Salewski. Die IG Metall-Verwaltungsstelle geht mit gutem Beispiel voran: Vom 12. bis 15. November bietet sie von 13 bis 18:30 Uhr Sprechstunden für Leiharbeiter an.

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