Betriebe
14/06/2013

"Jens, verhandle mit uns!"

Die Vodafone-Beschäftigten lassen sich nicht wie Schafe zur Schlachtbank führen: 700 von ihnen kamen heute aus ganz Deutschland zur Protestkundgebung vor der Vodafone-Zentrale in Düsseldorf. Sie demonstrierten gegen die - trotz Milliarden-Gewinnen - geplanten Entlassungen und Gehaltskürzungen bei dem Mobilfunkriesen.

"Wir haben unser Ziel erreicht", sagte Heiko Reese, der Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf-Neuss, bei der Eröffnung der Kundgebung: "Wir haben ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt!" In der Tat, der sogenannte Vodafone-Campus im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt, der Platz vor der Deutschland-Zentrale des Unternehmens, war voller Menschen. Sie waren aus 13 Standorten angereist: aus Berlin, Bautzen, Stuttgart, München, Nürnberg, Hamburg, Bremen, Dortmund, Hannover, Frankfurt am Main, Eschborn in Hessen, Ratingen und Düsseldorf.

Er hoffe, sagte Reese, "dass sich euer Jens in der 17. Etage die Nase am Fenster platt drückt, denn hier steht Vodafone - ihr seid Vodafone". Jens Schulte-Bockum ist der Deutschland-Chef von Vodafone. Auf vielen Luftballons stand der Satz: "Jens, wir wehren uns!" Viele Demonstranten trugen Masken mit dem Konterfei des immer noch jungenhaft wirkendes Mannes. Schulte-Bockum, Jahrgang 1966, ist seit Oktober 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung.

Trotz eines Gewinns von 3,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr will Vodafone 700 Beschäftigte entlassen und 2500 in Billigfirmen ohne Tarifverträge abschieben, Einstiegsgehälter absenken und IT-Dienstleistungen nach Rumänien und Indien verlagern. "Die Manager kriegen den Hals nicht voll", empörte sich Manfred Menningen von der IG Metall-Bezirksleitung NRW. Er stand auf der Ladefläche eines Lasters, auf der kurz zuvor eine Samba-Gruppe gespielt hatte. Nur billiger zu werden, sagte Menningen, sei "keine Zukunftsstrategie"; es gehe darum, "besser statt billiger" zu werden.

Betriebsratsvorsitzender greift Vorstandschef an

Der Sprecher der IG Metall-Vertrauensleute von Mercedes-Benz erklärte sich mit den Metallern von Vodafone solidarisch: "Egal, ob der Chef Jens oder Dieter heißt", sagte er, "wie stehen zusammen!" Eine Betriebsräte von HP, vormals EDS, der früheren IT-Abteilung von Vodafone, sagte: "Würde ich noch einmal gefragt, ob ich übergehe - ich würde mich an der Heizung festketten!"

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Toni Wolf ging den Vorstandsvorsitzenden Schulte-Bockum frontal an: Er habe "im Gegensatz zu euch noch nicht zum Erfolg der Firma beigetragen". Das Unternehmen habe "Probleme mit dem Netz", nicht mit den Beschäftigten. Trotzdem behandle Schulte-Bockum sie "wie Dreck". Dem Vodafone-Chef rief Wolf zu: "Verhandle mit uns, wir haben Lösungsvorschläge!"

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