Betriebe
14/06/2013

"Wir wuppen das, Leute"

"Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen." Für 750 der 1500 Beschäftigten von Schaeffler in Wuppertal soll dieser Spruch aus einem Trauerspiel von Friedrich Schiller Wirklichkeit werden: Der Wälzlagerhersteller will seine Belegschaft halbieren. Die IG Metall veranstaltete heute ein Soli-Fest in der City.

Die Rockklänge von "Uncle Ho" sind von weitem zu hören. Auf dem Platz vor der Laurentiuskirche in Wuppertal-Elberfeld dröhnen E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug. Das Trio powert, was die Boxen hergeben. Hinter den Musikern hängt über der Bühne ein Transparent mit dem Motto der IG Metall Wuppertal: "Hier geblieben, Schaeffler".

Das Motto des Managements - Profitmaximierung - soll der halben Belegschaft den Job kosten: "Nicht wegen fehlender Aufträge, die Aufträge sind da", sagt der IG Metall-Bevollmächtigte Torsten Lankau, "aber die Fertigung soll in Rumänien laufen." Dort, in Cristian/Bra?ov, hat Schaeffler 2008 ein Werk bauen lassen, während die Wuppertaler Beschäftigten fünf Stunden in der Woche umsonst arbeiteten, um mindestens bis Ende 2016 ihren Job zu behalten. Schiere Not treibt Schaeffler nicht nach Osteuropa, die Firma machte im vergangenen Jahr einen Gewinn von fast 900 Millionen Euro (bei einem Umsatz von 11 Milliarden Euro).

Sankt Laurentius, Namensgeber von Kirche und Platz, könnte auch Schutzpatron der Schaeffler-Beschäftigten werden: Er verwaltete im 3. Jahrhundert nach Christus das römische Kirchenvermögen. Nachdem der Kaiser den Papst hatte köpfen lassen, sollte Laurentius das gesamte Eigentum der Kirche herausrücken. Das tat er nicht, sondern verteilte es an die Mitglieder der Gemeinde.

IG Metall und Betriebsrat verhandeln zwar mit der Geschäftsführung über die Zukunft der Arbeitsplätze am Standort, beide sind aber noch "meilenweit auseinander" (IG Metall-Bevollmächtigter Torsten Lankau).

Ein Refrain der Rapper "Meelman", die nach der Soulsängerin Iris Panknin und vor der Band "V:ness and Mars" (Just Pink) auftraten, beschreibt - zufällig und treffend - den Kampf um den Erhalt des Schaeffler-Standorts: "Wir wuppen das. Keine Ahnung wie. Ey Leute, aber wir wuppen das!"

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