Betriebe
18/07/2013

Protest gegen Tarifangebot von 1,85 Prozent

470 Beschäftigte der Brandschutzfirma Total Walther und der Konzernmutter Tyco Holding demonstrierten heute bundesweit für eine ordentliche Tariferhöhung. Sie unterbrachen für mehrere Stunden die Arbeit.

350 Beschäftigte aus dem gesamten Bundesgebiet versammelten sich vor der Firmenzentrale des Mutterkonzerns Tyco Holding in Ratingen; sie kamen aus München, Hamburg, Bremen, Erlangen, Köln, Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart, Langen in Hessen und Ratingen, um für ihre Tarifforderung einzustehen. Zeitgleich traten 120 Beschäftigte der Niederlassungen Berlin, Dresden und Donaueschingen in den Warnstreik und demonstrierten vor ihren regionalen Niederlassungen.

Lohnerhöhung von 1,85 Prozent angeboten

Hintergrund des Konflikts sind die stockenden Tarifverhandlungen. Die Gespräche zur Tariferhöhung wurden bereits im Januar 2013 aufgenommen. Für die IG Metall-Mitglieder von Total Walther gilt seit dem Jahr 2006 ein Firmentarifvertrag. Die Verhandlungskommission der IG Metall fordert - analog zur Metall- und Elektroindustrie - eine Tariferhöhung von 5,5 Prozent für 12 Monate. Nach mehreren Verhandlungen legte der Arbeitgeber ein Angebot von 1,85 Prozent vor.

Gesamtbetriebsratsvorsitzender Peter Tamm sagte vor den Kundgebungsteilnehmern in Ratingen: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass in allen deutschen Branchen gute Tarifabschlüsse über drei Prozent getätigt werden, wir uns aber mit 1,85 Prozent abspeisen lassen sollen. Total Walther ist kein Krisenunternehmen. Wir arbeiten gut und hart, sind qualifiziert und flexibel. Unsere Arbeit ist mehr wert als ein 1,85-Prozent-Angebot. Das kann nur demotivieren.“ Andreas Stapel, Betriebsratsvorsitzender der Kölner Niederlassung ergänzte: „Meine Kollegen müssen absolut verantwortlich arbeiten. Brandschutz duldet keine schlampige Arbeit. Dafür brauchen wir faire Tariferhöhungen.“

"3,4 Prozent - das habt ihr auch verdient"

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Konkurrenzunternehmens Bosch Sicherheitstechnik, Ludwig Keil, überbrachte eine Grußbotschaft: „Unsere Kollegen bei Bosch wie auch die Sicherheitsleute bei Siemens bekommen seit dem 1. Juli 2013 3,4 Prozent mehr Geld. Das haben die Kollegen von Total Walther auch verdient.“

Der IG Metall-Verhandlungsführer Witich Roßmann erklärte: „Die Sicherheitsbranche ist eine der am schnellsten wachsenden Industriebranchen in Deutschland. In dieser Branche ist selbst in den Krisenjahren 2009/2010 das Wachstum weitergegangen. Von 2007 bis 2012 ist der Markt für elektronische Sicherheitssysteme von 2,4 Milliarden Euro auf fast 3 Milliarden Euro angewachsen, das sind 22,7 Prozent. Der Markt für Brandmeldeanlagen ist in dieser Zeit sogar um 29,4 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro angestiegen. Allein im letzten Jahr stieg der Umsatz der gesamten Branche um 6,3 Prozent und des Brandschutzes um 8,8 Prozent."

In den Verhandlungen habe die IG Metall "alles versucht", um zu einem fairen Kompromiss zu kommen, berichtete Roßmann, der auch 1. Bevollmächtigter der IG Metall Köln-Leverkusen ist. "Aber wir haben immer nur gehört: Zu teuer, zu viel." Weiter sagte Roßmann: "Wir erwarten, dass die Geschäftsführung das Signal des Warnstreiks versteht. Was in allen Wirtschaftszweigen Deutschlands möglich ist, das muss doch auch bei Total Walther möglich sein, schließlich sind Total Walter und Tyco keine Sanierungsunternehmen.“

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