Betriebe
24/03/2014

IG Metall-Chef Giesler: Unsere Geduld ist am Ende

Vor mehr als 1000 Beschäftigten der Bochumer Opel-Werke hat IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler von der Unternehmensleitung „Klarheit“ gefordert. Der Entwurf des Sozialtarifvertrags lasse noch viel zu viele Fragen offen. „Eure Geduld ist am Ende – meine auch“, sagte Giesler. Opel-Personalvorstand Ulrich Schumacher wurde ausgepfiffen.

Metaller Giesler (Foto 2) sagte auf der Protestkundgebung vor dem Stadion, Ausbilder und Auszubildende wollten wissen, wie es nach Einstellung der Autoproduktion Ende des Jahres weitergeht. Die Altersbrücke in die Rente müsse „ganz sicher“ und das Austrittsprogramm „ohne Irrung und Wirrung“ sein. Und wer auf einen Ersatzarbeitsplatz setze, wolle schnellstens wissen, „welche Arbeit das ab wann und wo sein wird“.

Die bereits Ende 2013 vereinbarten Eckpunkte des Sozialtarifvertrags seien der Mindestrahmen, sagte Giesler, dahinter gebe es kein Zurück mehr. Damit seien die Abfindungen deutlich höher als zuletzt in der Einigungsstelle diskutiert. Die Altersbrücke sichere allen Beschäftigten ab Jahrgang 1959 ein Einkommen von 80 Prozent des letzten Netto bis zur Rente. Die Transfergesellschaft biete Schutz vor Arbeitslosigkeit „bis mindestens Ende 2016“. Zugesagt seien 265 zusätzliche Ersatzarbeitsplätze, 100 weitere „industrielle“ Arbeitsstellen und die Fortführung der Ausbildung. Mit der Agentur für Arbeit sei geklärt, sagte Giesler, dass die Zeit in der Transfergesellschaft eine versicherungspflichtige Beschäftigung ist, sie zählt also bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes mit. In der Regel gelte damit „eine Beschäftigungsgrundlage von 24 Monaten“.

In "London" wird verhandelt

Seit 10 Uhr verhandeln IG Metall und Betriebsrat mit dem Management von Opel im Hotel neben dem Stadion; in Raum London sitzen sich zehn Metaller und drei Opel-Vertreter gegenüber. Für die halbstündige Kundgebung wurde die Verhandlung unterbrochen.

Seit 11 Uhr laufe "kein Auto vom Band", berichtete der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel (Foto 3), "und das ist gut so". Opel sei "pleite", sagte Einenkel, und ohne Geldspritzen in Milliardenhöhe von General Motors (GM) "nicht funktionsfähig". Die Schließung der Produktion in Bochum sei die Voraussetzung für das Geld von GM. Wenn der Sozialtarifvertrag zu Ende verhandelt sei, werde er an die Belegschaft verteilt. "Dann entscheiden wir gemeinsam, was passiert."

Der Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Opel, Yunus Emre Yildirim (Foto 7), drängte auf "verlässliche Zusagen" in Sachen Ausbildungs- und Ersatzarbeitsplätze. "Wir haben keine Zeit und Geduld mehr."

Arbeitsdirektor Ulrich Schumacher (Foto 9) sagte: "Wir bieten Ihnen Ersatzarbeitsplätze an anderen Standorten an." 265 Arbeitsplätze werde es im Warenverteilzentrum (Werk III) geben, in das Opel 60 Millionen Euro investieren wolle. Die Abfindungen seien "sehr gut", die Ausbildung bleibe erhalten. "Wir werden alles tun, um Ihnen neue Perspektiven zu eröffnen."

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