Betriebe
24/10/2014

IG Metall fordert den Erhalt aller Arbeitsplätze

Die IG Metall wirft dem Daimler-Konzern einen doppelten Tabubruch vor. Im Düsseldorfer Sprinter-Werk Arbeitsplätze abzubauen, um ein neues Werk in den USA aufzubauen, sei "ein absolutes Novum", sagte Bezirksleiter Knut Giesler. Und einen solchen Vorstandsbeschluss zu fassen, noch bevor mit dem Betriebsrat über dessen Folgen verhandelt wurde, habe es "noch nie gegeben".

Am Dienstag, 21. Oktober, hat Mercedes-Benz Vans per Pressemitteilung kundgetan, man habe sich "entschieden, die nächste Generation des Sprinter zusätzlich in Nordamerika zu produzieren“, so Volker Mornhinweg, der Leiter von Mercedes-Benz Vans.

In der Stuttgarter Pressemitteilung werden auch Investitionen in Millionenhöhe angekündigt, die zum Teil bereits länger bekannt sind. Dazu Knut Giesler: "Neue Investitionsversprechen reichen uns bei weitem nicht. Für uns zählt jeder Arbeitsplatz." Die IG Metall befürchtet den Abbau von bis zu 1800 Arbeitsplätzen, wenn 25.000 Sprinter pro Jahr künftig in den USA gebaut werden und für die 40.000 VW-Crafter, die ebenfalls in Düsseldorf jährlich vom Band laufen, kein Ersatz geschaffen wird. Rund 40 Prozent der Produktion würden entfallen.

Nihat Öztürk, Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf-Neuss, sagte: „Was wir derzeit erleben, kann ich nur als Kampfansage an alle Beschäftigten bei Daimler werten. Wir erwarten die Rückbesinnung des Vorstandes auf eine verantwortliche Unternehmensplanung. Daimler muss Lösungen für alle Arbeitsplätze und Beschäftigten an den Standorten Düsseldorf und Ludwigsfelde anbieten." Der Sprinter wird auch im brandenburgischen Ludwigsfelde produziert.

Betriebsrat: "Nichts ist bisher in Stein gemeißelt"

Der Betriebsratsvorsitzende des Sprinterwerks in Düsseldorf, Thomas Weilbier, sagte: „So sträflich darf man mit den Menschen bei Daimler nicht umgehen. Sie machen mit ihrer Kompetenz und ihrem Engagement den Erfolg des Unternehmens aus. Für uns gilt: Nichts, was bisher vom Vorstand verkündet wurde, ist bereits in Stein gemeißelt. Die Verhandlungen haben gerade erst begonnen.“

Für IG Metall-Geschäftsführer Öztürk gehören "alle Planungen neu auf den Prüfstand". Kostengetriebe Produktionsverlagerungen, wie sie derzeit bei Daimler geplant werden, seien in der Regel teurer als geplant. "Die Annahmen für künftige Erfolge sind fast immer geschönt. Wer so agiert investiert nicht nur falsch, er gefährdet zugleich die Produktivität, Innovationskraft und Rentabilität des ganzen Unternehmens, auf Kosten aller Beschäftigten."

Die Verhandlungen des Betriebsrats mit der Unternehmensseite dauern an. Ergebnisse liegen nicht vor. Die Erschließung und Festigung neuer Märkte waren bei Daimler bisher immer mit Kompensationen zum Erhalt der Arbeitsplätze an den deutschen Standorten verbunden. Von diesem ehernen Grundsatz will sich Daimler offensichtlich verabschieden.

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