Betriebe
02/10/2014

„Rücken“ kostet 9 Milliarden Euro im Jahr

Selbst der große Saal im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel war zu klein: 150 Interessenten konnten heute an der 1. Konferenz der IG Metall NRW für Arbeits- und Gesundheitsschützer teilnehmen – weitere 50 mussten sich auf eine Warteliste setzen lassen.

Es sei die erste, aber „mit Sicherheit nicht die letzte“ Konferenz für Sicherheitsfachkräfte, Betriebsräte, Betriebs- und Werksärzte der IG Metall NRW, versicherte Bezirksleiter Knut Giesler (Foto 3). Das Interesse an Themen wie Arbeitszeitüberwachung, Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) und Anti-Stress-Verordnung ist erstaunlich groß.

Die heutige Konferenz wurde gemeinsam mit dem Verband Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI), dem Verband der Betriebs- und Werksärzte (VdBW) und dem Verein deutscher Revisions-Ingenieure (VdR) ausgerichtet.

Christine Wetzig (Foto 4) von der Bezirksregierung Köln, die für die Arbeitszeitüberwachung zuständig ist, versicherte, dass Firmen „durchaus anonym“ angezeigt werden können. Und wenn die Anzeige „Hand und Fuß“ habe, „gehen wir den Vorwürfen nach“. Ihr Kollege Werner Lütje (Foto 4) erinnerte daran, dass die Betriebe verpflichtet sind, Arbeitszeiten über acht Stunden täglich sowie an Sonn- und Feiertagen zu dokumentieren.

Ein Viertel aller Krankheitstage – das sind im Jahr 95 Millionen – entfallen auf Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE). Deshalb hat die Berufsgenossenschaft (BG) Holz und Metall eine „Rückenkampagne“ gestartet. „Ich hab‘ Rücken“ sagt Harpe Kerkeling als Kultfigur Horst Schlemmer. Das gilt für viele. MSE ist „eine Volkskrankheit“, sagte der BG-Mann Frank Mays (Foto 5). „Sie verursachte 2010 mit 9,1 Milliarden Euro fast ein Viertel des durch Arbeitsunfähigkeit bedingten Produktionsausfalls“.

Betriebsvereinbarungen zur Stressvermeidung abschließen

Die Konsequenz daraus zog der Industrielle Werner von Siemens schon 1880: „Das Verhüten von Unfällen darf nicht als eine Vorschrift des Gesetzes aufgefasst werden, sondern als ein Gebot menschlicher Verpflichtung und wirtschaftlicher Vernunft.“ Mit diesem Zitat leitete Heinz Fritsche von der IG Metall-Vorstandsverwaltung (Foto 6) seinen Vortrag zur Anti-Stress-Verordnung ein, die von der IG Metall seit 2012 gefordert wird. SPD, Grüne und Linke im Bundestag haben sich dieser Forderung angeschlossen. Sogar der Arbeitgeberverband BDA hat 2013 anerkannt, dass auch psychische Arbeitsbelastungen krank machen können.

Fritsche appellierte an die Konferenzteilnehmer, in möglichst vielen Betrieben Betriebsvereinbarungen zum Thema Stressvermeidung abzuschließen. „Wir brauchen Druck von unten.“

VdBW-Präsident Wolfgang Panter (Foto 7), leitender Werksarzt bei den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM), mahnte den Einsatz der Firmenleitung ein. Um Stress am Arbeitsplatz zu vermeiden, sagte er, sei "eine achtsame Führung“ erforderlich.

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