Aktuelles Betriebe
09/06/2015

3000 Siemensianer gegen Jobabbau

Mehr als 3000 Siemens-Beschäftigte aus NRW haben heute in Duisburg gegen die Kahlschlag-Politik von Konzernchef Joe Kaeser demonstriert.

"Wir kämpfen wie die Löwen!" Unter diesem Motto stand die Protestkundgebung der IG Metall NRW und der Betriebsräte aller Siemens-Standorte in NRW. Vor einem Monat hat der Technologie-Konzern einen überraschend großen Stellenabbau bekannt gegeben. Allein am Standort Mülheim/Ruhr sollen 950 Arbeitsplätze gestrichen werden. Auf vielen Transparenten stand: "Standort Deutschland stärken - Margenwahn stoppen".

IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler (Foto 2) kritisierte das Management als ideenlos. Wer meine, nur mit Personalabbau ein Unternehmen voranbringen zu können, "der sollte ein Unternehmen wie Siemens nicht führen". Das gelingen nur mit motivierten Belegschaften. Die ständige Angst vor Personalabbau demotiviere sie stattdessen. Giesler sprach sich dagegen aus, Siemens "häppchenweise ins Ausland zu verlagern"; er forderte von der Konzernspitze "eine Deutschland-Strategie, in der Menschen wichtiger sind als die Marge".

Der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Robert Kensbock (Foto 5) sagte, es gehe "um nichts weniger als den Standort Deutschland". Die Duisburger Betriebsratsvorsitzende Nadine Florian (Foto 10) warf dem Siemens-Vorstand "blinden Aktionismus" vor. Und forderte ihn auf, neue Geschäftsfelder zu erschließen und neue Produkte zu entwickeln: "Der Kunde ist König, nicht Joe Kaeser." Jeder und jede Beschäftigte müsse sich inzwischen fragen: "Bin ich der Nächste?" Nadine Florian: "Wir beschäftigten uns nur mit uns statt zum Kunden zu gehen und ihn zu fragen, was er braucht."

In dieselbe Kerbe schlug Pietro Bazzoli, der Betriebsratsvorsitzende aus Mülheim an der Ruhr (Foto 12): "Diese Demonstration ist eigentlich verschenkte Zeit; die hätten wir besser nutzen können." Doch weil der Vorstand auf Unternehmensberater mehr höre als auf die Experten in den eigenen Reihen, müssten sich die Betroffenen lautstark zu Wort melden. Bazzoli forderte den Vorstand auf, sich "mit uns an einen Tisch zu setzen und Lösungen im Interesse der Beschäftigten zu finden". Seine Personalabbau-Pläne müsse er zurücknehmen.

IG Metall-Vorstandsmitglied und Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner (Foto 15) verglich die Mitglieder des Siemens-Vorstands mit Geisterfahrern, die sich auch nicht fragen, ob sie in die falsche Richtung fahren: "Etwas falsche machen immer nur die anderen." Die Kahlschlag-Politik von Kaeser & Co. "akzeptieren wir nicht", sagte Kerner. Siemens sei kein Sanierungsfall, sondern erlebe die besten Jahre seiner Konzerngeschichte. Vom Vorstand erwarte er deshalb "ein Bekenntnis zu Deutschland".

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