Aktuelles Jugend
29/11/2016

50 Prozent der Azubis überlastet

Jeder zweite Auszubildende fühlt sich überlastet. Das ist ein Ergebnis des Ausbildungsreport 2016 der DGB-Jugend NRW.

„In diesem Jahr haben wir uns schwerpunktmäßig mit dem Thema psychische Belastungen befasst“, erklärte der DGB-Vorsitzende von NRW, Andreas Meyer-Lauber, bei der Vorstellung des Ausbildungsreports in Düsseldorf. Frü den Report seien über 5400 junge Frauen und Männer aus NRW schriftlich befragt worden. „Das Ergebnis unserer Befragung ist: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich in mindestens einem Bereich in hohem oder sehr hohem Maße belastet.“

Besonders belastend seien Leistungs- und Zeitdruck, sagte DGB-Jugendsekretär Eric Schley. Danach folgten lange Fahrtzeiten und die Lage der Arbeitszeiten oder Schichtdienst. „Jeder achte Auszubildende klagt zudem über Probleme mit Kollegen und Vorgesetzen.“

Belastende Bedingungen in der Ausbildung wirkten sich unmittelbar auf das Wohlergehen der Jugendlichen aus, sagte Schley. „Unsere Untersuchung zeigt: Je stärker die empfundenen Belastungen, desto höher der Anteil der Azubis, die unter körperlichen und psychischen Beschwerden leiden. Sie fühlen sich laut eigenen Angaben wesentlich häufiger schwach und krankheitsanfällig als die gering Belasteten.“ Mehr als ein Drittel der betroffenen Auszubildenden denke immer oder häufig über einen Ausbildungsabbruch nach. „Das sind viermal so viele wie in der Gruppe der Auszubildenden, die sich keinen starken Belastungen ausgesetzt sehen.“

Für die DGB-Jugend ist eine Verbesserung der Ausbildungsqualität das beste Mittel gegen psychische Belastungen. „Aus unserer Befragung geht hervor: Die Ausbildungsberufe, bei denen die Qualität der Ausbildung als besonders hoch beschrieben wird, sind gleichzeitig die Berufe, bei denen sich die Auszubildenden am wenigsten psychisch belastet fühlen.“ Das gelte zum Beispiel für Industriemechaniker und Mechatroniker. Umgekehrt fühlten sich Auszubildende in Berufen wie Friseure, zahnmedizinische Fachangestellte und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk nicht nur besonders schlecht betreut und behandelt, sondern auch stark psychisch belastet.

Die DGB-Jugend NRW appelliert an Betriebe und Kammern: „Wir brauchen endlich eine substantielle Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Berufen, die seit Jahren die letzten Plätze in unserem Report belegen.“ Darüber hinaus müsse das Berufsbildungsgesetz modernisiert werden. „Wir brauchen eine bessere Regelung der Ausbildungszeiten und eine volle Anrechnung der Berufsschulzeiten, um die Jugendlichen nicht über Gebühr zu belasten.“

Den ganzen Ausbildungsreport sowie zahlreiche Grafiken zum Herunterladen finden Sie unter www.nrw.dgb.de/ausbildungsreport.

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