Leiharbeit
24/02/2011

Billiglöhne sollen Stammbelegschaft disziplinieren

IG Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer warf den Arbeitgeber auf einer Kundgebung in Ennepetal vor, ihre Stammbeschäftigten durch Billigkräfte disziplinieren zu wollen. Ihre Vorstandskollegin Regina Görner nannte in Gelsenkirchen prekäre Beschäftigung ein „Krebsgeschwür“.

Vor dem Werk von Dorma in Ennepetal bauten Beschäftigte aus 15 Betrieben mit 50 Kartons eine „Wand der Solidarität“, mit Texten und Bildern zum Thema „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“. IG Metall-Vorstand Schwitzer erklärte, dass Leiharbeit die Tarifverträge aushöhle: „Die Arbeitgeber ziehen betrieblich eine zweite Lohnlinie ein – eine Dumpinglohnlinie.“ Das solle die Stammbelegschaft disziplinieren. „Nach dem Motto: ‚Ihr seht doch, dass ihr durch billige Kräfte ersetzbar seid“, erklärte die Tarifexpertin vor 300 Kundgebungsteilnehmern.

Aufstockung „ein Skandal“

Die Metallerin kritisierte die Bundesregierung, die sich weigert, gleiches Geld für gleiche Arbeit gesetzlich vorzuschreiben. Der Berliner Kompromiss in Sachen Leiharbeit sei „oberfaul“. Die Arbeitgeber könnten jetzt ihre Lohndumping-Strategie ungebremst fortsetzen. Zumal die Bundesregierung weiterhin Dumpinglöhne subventioniere. Dass der Staat elf Milliarden Euro an Aufstockungen für prekär Beschäftigte zahle, sei „ein Skandal“. Helga Schwitzer: „Beschämend, dass die Bundesregierung es überhaupt zulässt, dass Menschen nicht von ihrer Arbeit leben können.“

Steine statt Brot

Von prekärer Beschäftigung – Leiharbeit, Befristungen und Werkverträgen – sind besonders die Jungen betroffen, sagte Regina Görner vor den 300 Menschen, die sich vor TRW Automotive in Gelsenkirchen versammelt hatten. „Sie bekommen ‚Steine statt Brot’, wie es in der Bibel heißt“, sagte die Metallerin.

Die Gewerkschaft sei nicht generell gegen Zeitarbeit, es gebe gute Gründe für sie, „aber es gibt nicht einen einzigen guten Grund dafür, Leiharbeiter schlechter zu bezahlen als ihre Kollegen in der Stammbelegschaft.“ Der Grundsatz „equal pay – gleicher Lohn“ sei längst europäische Rechtsnorm, die Bundesregierung hätte sie längst in nationales Recht umsetzen müssen. Der Verzicht auf Equal Pay im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat sei das falsche Signal, sagte Görner: „Das ist die Ermunterung, die Ausweitung der miesen Jobs weiterzutreiben, statt sie einzudämmen.“

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