Jugend
30/09/2011

Für die unbefristete Übernahme der Ausgebildeten

Die IG Metall erwartet morgen in Köln mehr als 15.000 jungen Leute aus ganz Deutschland. Das sagte IG Metall-Vize Detlef Wetzel heute in Düsseldorf. Das Motto des Tages lautet: "Laut und stark für unbefristete Übernahme". IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard sagte, er wolle die unbefristete Übernahme der Ausgebildeten in der Stahltarifrunde 2011 durchsetzen.

Die Hauptkundgebung in der Domstadt beginnt um 13:30 Uhr auf dem Neumarkt. Dann zieht der Demo-Zug über den Rhein zur Lanxess-Arena nach Deutz. Dort steigt um 16:30 Uhr das "Laut-und-stark"-Festival mit Culcha Candela, Revolverheld, Jennifer Rostock sowie Mono & Nikitaman.

Die IG Metall sei mit 400.000 Mitgliedern unter 35 Jahren die größte politische Jugendorganisation Deutschlands, sagte der Zweite Vorsitzende Detlef Wetzel. Sie wolle mit ihrem Aktionstag "ein Zeichen setzen", auf die kritische Situation der jungen Generation hinweisen. Damit die Politik endlich deren Themen auf die Tagesordnung setze: die unbefristete Übernahme nach der Ausbidlung, sichere Arbeitsverhältnisse und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es gebe in Deutschland "null Dialog über die Themen der jungen Generation". Wetzel zitierte eine aktuelle Umfrage von Infratest ; danach meinen knapp 70 Prozent der Befragten, dass in Deutschland nicht genug für die junge Generation getan wird.

Neue Arbeitsplätze überwiegend befristet oder in Leiharbeit

Im Aufschwung seien zwar neue Arbeitsplätze geschaffen worden; doch zu 85 Prozent handle es sich um befristete oder Leiharbeiter-Jobs. "Jeder Dritte im Alter bis 35 Jahre hat noch nie die Erfahrung einer festen Beschäftigung gemacht", sagte Wetzel.

Den Vorwurf von Metallarbeitgeberpräsident Martin Kannegiesser, die IG Metall skandalisiere die Situation der jungen Generation, um Mitglieder zu gewinnen, wies Wetzel zurück. Diese Aussage sei "absurd oder putzig". Denn selbstverständlich brauche die Gewerkschaft Mitglieder und werbe um sie. Ihr das vorzuwerfen sei so "als würde man dem VW-Konzern vorwerfen, gute Autos zu bauen, weil er sie verkaufen will".

IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard wies darauf hin, dass in NRW noch 20.000 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz haben. Und mittlerweile 80.000 in 126 berufsvorbereitenden Maßnahmen, sogenannten Warteschleifen, stecken.

Das schreckliche Gefühl, nicht zeigen zu können, was man kann

Nach der Pressekonferenz im Düsseldorfer Landtag schilderten drei junge IG Metall-Mitglieder dem WDR ihre Situation. Auf die Frage von Hörfunkreporter Stefan Lauscher, was für ein Gefühl es sei, zu wissen, dass man nach der Ausbildung nicht übernommen werde, sagte Steven, 23, Industriemechaniker aus Hagen: "Du fühlst Wut und Trauer zugleich." Man habe die Prüfung bestanden und sei "innerhalb einer halben Stunde aus dem Werk raus". Das sei "sehr hart", und so ergehe es vielen.

Lisa, 23, aus Mönchengladbach, hat Schneiderin gelernt, schlägt sich aber als Fahnennäherin mit einem Halbtagsjob und einem 400-Euro-Job durch. Es sei "ein schreckliches Gefühl, nicht zeigen zu können, was man kann". Sie sei nach der Ausbildung "stolz gewesen, ins Leben entlassen zu werden - und dann weißt du nicht weiter". Man nehme irgendeine Arbeit an, auch schlecht bezahlte. Der Kölner Azubi Christoph, 24, der jahreslang als Leiharbeitnehmer tätig war, bestätigt das: "Das Gespenst der Leiharbeit ist allgegenwärtig."

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