Leiharbeit
24/02/2011

Von der Leyen sollte ins Kino gehen

Eine gute Nachricht hatte Dieter Hinkelmann noch in petto: 40 der 65 Leiharbeitnehmer bei Ford in Köln-Niehl werden zum 1. April in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen, sagte der Ford-Betriebsratsvorsitzende im Entwicklungszentrum des Autokonzerns in Köln-Merkenich.

Dort, im John-Andrews-Entwicklungszentrum, arbeiten neben 3500 Stammbeschäftigten 800 Leihkräfte und Werkvertragsnehmer, überwiegend als Ingenieure. Wie viele von ihnen unter den 250 Teilnehmern der Kundgebung von IG Metall und Betriebsrat waren, ist nicht bekannt. Aber anzunehmen ist, dass sie sich ebenfalls wünschen, „sicher und fair“ beschäftigt zu werden und bei Ford angestellt zu sein. Dass vor allem die Verleiher von der Arbeitskraft der Leiharbeitnehmer profitieren, machte ein Dutzend Männer in weißen Overalls deutlich: Auf dem Rücken trugen sie den Namen ihres „Arbeitgebers“: „Kies Ver Mehren“.

Leiharbeiter wird wohl niemand freiwillig, eher notgedrungen. Von 6000 offenen Stellen in Köln seien 2500 Zeitjobs, berichtete der IG Metall-Bevollmächtigte Witich Rossmann. Zwei Mal dürfe man als Arbeitsloser nein sagen, beim dritten Mal müsse man ein solches Angebot annehmen, „sonst wird das Arbeitslosengeld gestrichen“. Rossmann kassierte lang anhaltenden Applaus, als er sagte: „Leiharbeit darf es – vom ersten Tag an – nur mit Equal Pay geben!“

„We want Sex“

Rossmann empfahl Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen den Kinofilm „We want Sex“. Er schildert den Streik der 187 britischen Näherinnen von Ford, die 1968 erfolgreich gleiche Löhne für Frauen und Männer durchgesetzt haben – nicht zuletzt mithilfe ihrer Arbeitsministerin. An ihr könne sich von der Leyen ein Beispiel nehmen, meinte Rossmann; heute gehe es um gleiche Löhne für Leihkräfte und Stammbeschäftigte. Übrigens: Wie Thomas Freels, der Sprecher der Vertrauensleute, berichtete, hat der Streik damals auch die Produktion in Köln lahmgelegt.

Deutschland – Billiglohnland Europas

In Dortmund-Dorstfeld versammelten sich 850 Beschäftigte aus elf Betrieben zur Kundgebung vor der Firma Continental. Die DGB-Regionsvorsitzende Jutta Reiter warf der Bundesregierung und den Arbeitgebern vor, eine Niedriglohn-Strategie zu verfolgen. Deutschland sei auf dem schlechtesten Weg, das Billiglohnland Europas zu werden. Die Regierung, so Reiter, missachte den Wert der Arbeit.

Politik ist verantwortlich

In Paderborn begann der Aktionstag kurz nach 5 Uhr vor dem Werktor von Hella, dem größten Automobilzulieferer der Region. „Heute stehen wir gemeinsam hier, Beschäftigte der Firma Hella und der firmeneigenen Leiharbeitsfirma Avitea, um auf die schlechten Bedingungen der Leiharbeit aufmerksam zu machen. Wir wollen, dass die Politik endlich ihre Verantwortung für eine gesetzliche Regelung des Prinzips ‚Gleiche Arbeit – Gleiches Geld‘ wahrnimmt“, sagte der IG Metall-Bevollmächtigte Carmelo Zanghi.
Auch bei Benteler Automobiltechnik in Warburg versammelten sich Beschäftigte am frühen Morgen. „Leiharbeit ist das eine, Festbeschäftigung die bessere Lösung, sowohl für die Betroffenen als auch die Firmen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Rainer Backhaus. Dank des Engagements der Arbeitnehmervertretung bei Benteler werden in der Firma verstärkt Beschäftigte aus der Leiharbeit fest übernommen.
Ob bei Bette in Delbrück, bei Schaffner in Büren oder bei Wincor Nixdorf: Auch in vielen anderen Firmen stellten sich die Beschäftigten hinter die IG Metall-Forderung „Fair statt prekär!“

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