Leiharbeit
12/10/2009

"Strategische Nutzung" nimmt zu

Leiharbeit wird in vielen Unternehmen zunehmend "strategisch" genutzt. Sie dient längst nicht mehr nur dazu, personelle Engpässe in den Unternehmen zu überbrücken - etwa bei Krankheit, Urlaub oder kurzfristig hohem Auftragsvolumen. Immer mehr Unternehmen setzen Leiharbeit ein, um die Zahl der Stammbeschäftigten generell möglichst klein zu halten. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Funktionswandel von Leiharbeit" der Soziologen Hajo Holst, Oliver Nachtwey und Klaus Dörre von der Universität Jena.

Leiharbeit wurde zunächst genutzt, um Auftragsspitzen aufzufangen oder kurzfristige Personalausfälle auszugleichen. Unternehmen, die Leiharbeiter als "Ad-hoc-Ersatz" oder als "Flexibilitätspuffer" nutzen, wollten ihre Lohnkosten zu reduzieren, indem sie beispielsweise die Kosten für den Personalersatz verringern oder Festanstellungen zu umgehen, wenn das Auftragsvolumen zeitweise ansteigt. Diese Nutzungsstrategien spielen auch weiterhin eine Rolle. Aber inzwischen werde von immer mehr Unternehmen versucht, Leiharbeit verstärkt als strategisches Instrument zu nutzen, um die Gewinne zu erhöhen. Leiharbeit werde in diesen Unternehmen dauerhaft eingesetzt, umfasse alle Arbeitsbereiche und führe zu einer Verflechtung von Stammbelegschaften und Leiharbeitskräften. Für "gleiche Arbeit" werde ein "ungleicher Lohn" gezahlt, es entstehen Belegschaften erster und zweiter Klasse, Tarifverträge werden unterlaufen, Mitbestimmung reduziert. "Billigere" Leiharbeiter verunsichern und "disziplinieren" als Druck- und Drohpotential Stammarbeitskräfte und Kernbelegschaften.

Die Studie analysiert diesen Funktionswandel anhand von betrieblichen Beispielen. Sie zeigt aber auch, dass es in den Betrieben Ansätze und Strategien gibt, das Auswuchern der Leiharbeit einzudämmen und gemeinsam mit den Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen zu gestalten. Dies ist umso wichtiger, weil die Gefahr besteht, dass es im nächsten Aufschwung zu einem explosionsartigen Anwachsen der Leiharbeit kommen könnte, weil die Unternehmen aus ihrer Sicht gute Erfahrungen mit diesem Instrument gemacht haben.

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